Windräder auch im Pfälzerwald?

Ein landeskundlicher Beitrag von Herbert W. Schreiber
Vom Autor inhaltlich überarbeitet und mit Bildern ergänzt am 7.4.2012

Vorbemerkung
Ist das Merkmal “größtes, zusammenhängendes Waldgebiet“  ein Argument gegen Windräder im Pfälzer Wald? Ich denke schon. Denn es handelt sich um ein besonders wichtiges Charakteristikum des Naturraums „Pfälzerwald“, wenn es um die Ausschluss-kriterien geht. Also um die Kriterien, nach denen auf keinen Fall Windräder errichtet werden sollen. Gerade ein so großes, unzerschnittenes und fast menschenleeres Waldgebiet hat einen besonders hohen landschaftsästhetischen und ökologischen Wert, so dass es als Refugium und Rückzugsgebiet gefährdeter Tier- und Pflanzen-arten dienen kann. Das ist doch gerade ein Grund dafür, dass der Pfälzerwald zum “Biospährenreservat” erklärt wurde.
Außer dem Pfälzerwald haben wir in unserem dicht besiedelten, hochindustrialisierten Deutschland  ja eigentlich nur noch den Hinteren Bayerischen Wald, der ebenfalls so unzerschnitten ist, und dem deshalb  eine ähnlich große ökologische Bedeutung zukommt.

Biospharenreservat – was hat das mit den Windrädern zu tun?
Man hat beim Abwägen von Pro und Contra zum Thema “Windräder auch im Pfälzerwald?” den Eindruck, dass nicht alle wissen, was es mit dem Biosphären-Reservat auf sich hat.
Daher stelle ich im folgenden einige Basisinformationen zum „Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord“ zusammen. Sachlich und wertfrei.
Jeder möge sich aufgrund solcher Sach-Informationenen selbst eine Meinung bilden, ob bzw. warum der Pfälzerwald etwas ganz Besonderes ist. Ein schützenswertes „Kleinod“, das  unbedingt  von Windkraftanlagen freigehalten werden muss.

Naturräumliche Begrenzung
Der Pfälzerwald gehört zum System des ausgedehnten deutsch-französischen Schichtstufenland und ist Teil eines einzigartigen Naturraums von etwa 8000 km² Gesamtfläche, der sich grenzüberschreitend vom Stumpfwald im Norden über Hunderte von Kilometern bis zur Burgundischen Pforte im Süden erstreckt. Er ist mit etwa 1800 km² nicht nur das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands sondern bildet zusammen mit den Vogesen eine der größten europäischen Waldflächen. So umfasst z. B. allein das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord etwa 3.100 km².

Pfälzerwald/Nordvogesen

Bild 1: Pfälzerwald und Nordvogesen als gemeinsamer Naturraum (aufgehellt und rot umrandet)
(Karte erstellt von Michael Giersbeck 2012, entnommen aus Wikipedia Artikel „Pfälzerwald“, Version vom 4. April 2013)

Im Osten wird das Gebirge durch den Rheingrabenrand begrenzt, während es im Westen fließend in den Landschaftsraum der Westricher Hochfläche übergeht (Grenzlinie etwa von Landstuhl über Waldfischbach, Pirmasens, Eppenbrunn, Bitsch usw.); ab hier überdecken die jüngeren Gesteine des Muschelkalks den im Pfälzerwald vorherrschenden Buntsandstein. Von Landstuhl verläuft die Grenze des Mittelgebirges über Kaiserslautern in mehreren Bögen nach Eisenberg, wobei der Otterberger Wald und der Stumpfwald mit eingeschlossen sind. Nördlich dieser Linie beginnt das (Nord)-Pfälzer Bergland, das aus Gesteinen aufgebaut ist, die während der geologischen Zeitalter des Perm und Karbon vor 351 bis 251 Mio Jahren abgelagert wurden; sie sind damit älter als die im Pfälzerwald vorherrschenden Buntsandsteinformationen.
Dagegen ist im Süden keine naturräumliche Abgrenzung erkennbar, da sich der Pfälzerwald jenseits der deutsch-französischen Grenze bruchlos in den geomorphologisch gleichartigen Nordvogesen fortsetzt.

Asselstein bei Annweiler

Bild 2: Unterer Buntsandstein (Trifelsschichten) im Wasgauer Felsenland:
Asselstein bei Annweiler

Geologie
Das Gebirge wird  in erster Linie durch die Gesteinseinheiten des Buntsandsteins und – in geringerem Maße – des Zechsteins mit einer Mächtigkeit von etwa 500 Metern gebildet, deren Sedimente im ausgehenden Perm (vor 256-251 Mio Jahren) und zu Beginn der Trias (vor 251-243 Mio Jahren) bei vorwiegend wüstenhaften Bedingungen abgelagert wurden. Während der darauffolgenden geologischen Zeitalter kam es dann zur Ablagerung weiterer Gesteinsschichten, welche nun diese Buntsandstein-formationen überdeckten (z.B. Sedimente der Muschelkalk-, Keuper-, Jura- und Kreidezeit).

Durch Verwitterung und Abtragung der unterschiedlich harten Gesteinsschichten entstand ein äußerst vielfältiges Relief mit vielfältigen Bergformen und einem komplexen Entwässerungssystem.

Altschlossfelsen bei Eppenbrunn

Bild 3: Mittlerer Buntsandstein mit Karlstalschichten und Oberer Felszone: Altschlossfelsen bei Eppenbrunn (entnommen aus Wikimedia Commons, Foto erstellt im Jahre 2006)

Mit Beginn der Erdneuzeit (vor etwa 48 Mio. Jahren) begann die Entstehung der Alpen, die u. a. auch zur Bildung des Oberrheingrabens führte und ihren Höhepunkt vor etwa 35 Mio. Jahren fand. Durch diese tektonischen Vorgänge wurden die betroffenen Gesteinsschichten in eine neue Lagerung gebracht, wobei die Grabenränder angehoben – im Falle des Pfälzerwaldes um etwa 1000 Meter – und die Schichten des Buntsandsteins, zum Teil auch älterer Gesteine (Zechstein, Rotliegend) nach Abtragung des Deckgebirges freigelegt wurden. Die verschiedenen Gesteinsschichten des Pfälzerwaldes wurden aufgewölbt und dadurch schräggestellt (Neigung von Ost nach West um ein bis vier Grad). Es kam zu Verbiegungen und schließlich zum Zerbrechen der Gesteine, so dass die einzelnen Schichten gegeneinander verschoben wurden. So entstanden mehrere Verwerfungslinien, die den Pfälzerwald von Nordost nach Südwest durchziehen (Lambrechter und Elmsteiner Verwerfung).

Kegelberge und Verebnungsflächen im Wasgau

Bild 4: Kegelberge und Verebnungsflächen im Wasgau:
Blick vom Lindelbrunn zum Rehberg (Bildmitte) und Trifels

In späteren Zeitabschnitten der Erdneuzeit standen wieder Erosionsprozesse im Vordergrund, die zur heutigen Oberflächengestalt des Pfälzerwaldes führten. Durch Verwitterung und Abtragung der unterschiedlich harten Gesteinsschichten, vor allem auch während der verschiedenen Kalt- und Warmzeiten, entstand ein äußerst vielfältiges Relief mit unterschiedlichen Bergformen und einem komplexen Entwässerungssystem. Besonders in seinem Südteil wurden die Formationen des Rotliegend und Zechsteins stärker zu Verebnungen und breiten Tälern ausgeräumt, während die widerstandsfähigeren Gesteine des Unteren Buntsandsteins (Trifels- und Rehbergschichten) erhalten blieben. So entstand das vielgliedrige Wasgauer Felsenland mit seinen Kegelbergen und bizarren Felsformationen, das einen besonderen Reichtum an unterschiedlichen Landschaftsformen besitzt (vgl. auch Abschnitt „Topographie/Landschaftsbild“).m Südteil wurden Formationen des Rotliegenden und Zechsteins stärker zu Verebnungen und breiten Tälern ausgeräumt, während die widerstandsfähigeren Gesteine des Unteren Buntsandsteins (Trifels- und Rehbergschichten) erhalten blieben.

So entstand das vielgliedrige Wasgauer Felsenland mit seinen Kegelbergen und bizarren Felsformationen, das einen besonderen Reichtum an unterschiedlichen Landschaftsformen besitzt.

Topographie/Landschaftsbild
Schon seit Beginn der wissenschaftlichen Landeskunde (Häberle 1911, S. 7f) wird der Pfälzerwald in die drei unterschiedliche Landschaftsräume des Nördlichen, Mittleren und Südlichen Pfälzerwaldes untergliedert.

Dabei trennt eine Linie, die etwa von Kaiserslautern über Hochspeyer nach Bad Dürkheim durch das Hochspeyerbach- und  Isenachtal verläuft, den nördlichen vom mittleren Teil des Gebirges. Charakteristisch für das Landschaftsbild des Nördlichen Pfälzerwaldes, zu dem vor allem der Otterberger Wald, Stumpfwald und Teile des Leininger Landes gerechnet werden, sind eher sanfte Bergkuppen und Höhenzüge, zwischen denen sich breite landwirtschaftlich genutzte Täler und Verebnungsflächen ausbreiten. Entsprechend beträgt hier der Bewaldungsgrad auch nur 70 Prozent der Gesamtfläche.

Blick vom Weißenberg nach Osten

Bild 5: Blick vom Luitpoldturm auf dem Weißenberg über den Mittleren Pfälzerwald nach Osten

Der Mittlere Pfälzerwald erstreckt sich etwa bis zur Linie Landau – Annweiler – Hinterweidenthal – Pirmasens, was einer Talflucht entspricht, die durch Queich, Horbach, Rodalbe und Lambsbach gebildet wird. In diesem Teil des Gebirges liegen die höchsten Erhebungen (z. B. Kalmit 672,6 m ü. NHN, Kesselberg 661,8 m ü. NHN, Weißenberg 609,9 m ü. NHN), seine Oberflächengestalt ist durch z. T. trapezförmige Bergklötze, langgezogene Bergrücken und durch ein tief eingeschnittenes Talsystem gekennzeichnet. Er ist fast menschenleer, unzerschnitten  und besitzt einen Waldanteil von 90 Prozent seiner Gesamtfläche. Besondere Teillandschaften sind die Haardt im Osten, die Waldgebiete der Frankenweide in seinem Zentrum, ferner das Gräfensteiner Land und Holzland im Westen.

Typische Wasgaulandschaft

Bild 6: Typische Wasgaulandschaft:
Blick vom Rehberg nach Südwesten

Der sich südlich der genannten Linie anschließende Gebirgsteil wird Südlicher Pfälzerwald oder auch Wasgau genannt. Dieser Naturraum  setzt sich als „Nordvogesen“ auch jenseits der deutsch-französischen Grenze fort und wird erst durch die schmale „Zaberner Steige“ von den eigentlichen Vogesen getrennt. Die kleingliedrige Mittelgebirgslandschaft des Wasgaus ist durch eine besondere Vielfalt von Berg- und Felsformen gekennzeichnet. Isoliert stehende Kegelberge und schroffe Bergrücken wechseln sich mit breiten Tälern und hochflächenartigen Verebnungsflächen ab und schaffen zusammen mit bizarren Felsformationen und Felsenburgen ein besonders reizvolles Landschaftsbild. Auch der Wasgau ist sehr dünn besiedelt (20 bis 30 E/km²) und von ausgedehnten, kompakten Wäldern bedeckt (80 Prozent seiner Gesamtfläche).

Blick vom Luitpoldturm auf dem Weißenberg

Bild 7: “Blick vom Luitpoldturm auf dem Weißenberg” (veröffentlicht in: Geiger, M.: Geographie der Pfalz“, 2010 S. 98. Bildgeber: Michael Geiger, Landau)

Aufgrund dieser geomorphologischen Charakteristika wird der Pfälzerwald von namhaften Vertretern der wissenschaftlichen Landeskunde (z. B. Michael Geiger 1987; 2010) als „schönste Buntsandsteinlandschaft Deutschlands“  betrachtet. Ausgedehnte, weitgehend unzerschnittene Mischwälder bedecken das Gebirge. Hier finden sich noch  urwaldartige Hainsimsen-Buchen- und Eichenwälder, weiter im Süden auch prächtige Mischwälder aus Weißtannen und Buchen von internationaler Bedeutung, die häufig noch autochthonen Charakter besitzen.

Blick vom Weißenberg nach Süden

Bild 8: Waldwoge hinter Waldwoge ….:
Blick vom Weißenberg nach Süden

Das grandiose Landschaftsbild, das beispielsweise Weißenberg (mit Luitpoldturm), Rehberg (mit Aussichtsturm),  Stäffelsberg (mit Aussichtsturm) oder die Wegelnburg mit ihren 360° Panoramen bieten, belegen eindrucksvoll diese Feststellung. Bis zum Horizont erstreckt sich ein unendlich scheinendes Wäldermeer, bei dem „Waldwoge hinter Waldwoge steht, bis eine die  letzte ist und den Himmel schneidet.“ Dieses bekannte Zitat, das der Heimatdichter Adalbert Stifter auf den Böhmerwald bezogen hat, lässt sich ohne Abstriche auch auf das linksrheinische Gebirge (Pfälzerwald/Vogesen) übertragen. Seine Weite, Unberührtheit und erhabene Ruhe schaffen ein Gegengewicht zur Hektik und Aufgeregtheit unserer Zeit. Sie bewirken im Betrachter Gefühle von Harmonie und Friede, man hat den Eindruck, dass Mensch und Umwelt  nun endlich wieder versöhnt scheinen.

Naturnahe Hainsimsen-Buchenwälder im Gebiet des Weißenbergs

Bild 9: Urwaldartiger Hainsimsen-Buchenwald mit Auflichtungen am Westhang des Weißenberges

Flora und Fauna
Aufgrund dieser besonderen landschaftsökologischen Bedingungen ist der Pfälzerwald auch ein Refugium für die verschiedensten Tier- und Pflanzenarten. So setzt sich seine Bodenflora hauptsächlich aus bodensäureliebenden Pflanzen wie der Wald-Hainsimse, der weißen Hainsimse, der Pillen-Segge oder Draht-Schmiele zusammen. Typisch sind auch verschiedene Farnarten und ein reichhaltiges Angebot an Pilzen und Beeren. In den zahlreichen Feuchtgebieten wachsen säureliebende Sumpfpflanzen, die in Deutschland nur noch selten vorkommen (z. B. Drachenwurz, Sumpf-Blutauge usw.).

Pfälzerwoog bei Ludwigswinkel

Bild 10: Beispiel eines Feuchtbiotops:
Pfälzerwoog bei Ludwigswinkel

Auch im Bereich seiner Fauna zeigen sich diese Besonderheiten. Neben den großen Säugetieren, die auch in anderen Mittelgebirgen heimisch sind (z. B. Paarhufer wie Rehe Hirsche usw., ferner Fuchs, Dachs, Iltis usw.) sind auch in ihrem Bestand bedrohte Säugetierarten wie  Baummarder, Wildkatze und Luchs im Pfälzerwald heimisch. Dies gilt auch für eine Reihe seltener Vögel wie z. B. Wiedehopf, Eisvogel, Steinschmätzer, ferner auch für den streng geschützten Wanderfalken, der seit einigen Jahrzehnten die Felsen des Wasgaus wieder zur Brut nutzt.

Natürlich ist das Biosphärenreservat auch Heimat des Rotmilans  und verschiedener Fledermausarten (z. B. dem kleinen Abendsegler), die durch WKA´s besonders bedroht sind (erhöhte Schlagopferzahlen).
Charakteristisch für das Schutzgebiet sind ferner eine Vielfalt von Amphibien, Reptilien, Käfern, Schmetterlingen und anderen Insekten, wobei u. a. die Hügelnester der Waldameisen ins Auge springen, von denen es  im Pfälzerwald gleich mehrere gibt. Besonders seltene Arten sind z. B. die Kerbameise und die hochgradig gefährdete Große und Gefleckte Ameisenjungfer.

Da viele Quellen und Bäche des Gebirges noch ihre natürliche Wasserqualität besitzen, weisen sie einen reichen Fischbestand auf (z. B. Forelle, Steinbeißer, Bachschmerle usw..). Auch seltene Libellenarten wie die Speer-Azurjungfer finden in den Feuchtgebieten des Biosphärenreservates geeignete, unzerstörte Lebensräume.

Geschichtliches und kulturelles Erbe
Obwohl der Pfälzerwald nur sehr dünn besiedelt ist (20 bis 30 Einwohner pro km²), besitzt er doch ein reiches geschichtliches und kulturelles Erbe. Über 100 Burgen, Burgruinen und Schlösser geben Zeugnis von dieser reichen Vergangenheit.
Hervorzuheben sind hier z. B. die Reichsburg Trifels bei Annweiler, die während der Stauferzeit das Machtzentrum des damaligen Reiches bildete oder das Hambacher Schloss, das 1832 Schauplatz des Hambacher Festes war, der ersten Großdemonstration auf deutschem Boden, ein Symbol unserer Demokratiegeschichte.
Einen besonderen Verdienst bei der landschaftlichen und kulturellen Erschließung des Waldgebirges haben sich auch verschiedenen Ordensgemeinschaften mit ihren Klosteranlagen erworben. Beispiele sind die ehemaligen Zisterzienserklöster Eußerthal und Otterberg und die Klosterruine Limburg oberhalb von Bad Dürkheim, die von den Benediktinern erbaut und bis in die frühe Neuzeit unterhalten wurde.

Erholung und Freizeitgestaltung
Diesem einzigartigen Natur- und Kulturraum kommt seit Beginn der Industrialisierung bis heute eine zunehmende  Bedeutung als Erholungs- und Freizeitraum zu. Aufgrund seiner herrlichen Landschaft, seiner Ruhe und Einsamkeit, ferner seiner hauptsächlich vom Pfälzerwald-Verein geschaffenen „Wander-Infrastruktur“ (12.000 km markierte Wanderwege, Aussichtstürme, Vielzahl bewirtschafteter Wanderhütten usw.)  hat sich dieses Naturparadies zu einer der beliebtesten Wander- und Erholungsregionen Deutschlands entwickelt.
Wochenendausflügler, Kurzurlauber und Besucher, die einen längeren Urlaub verbringen, sind immer wieder begeistert von der Vielzahl der Möglichkeiten, die ihnen im Rahmen eines sanften Tourismus angeboten werden.
Dies zeigen laut Statistischem Jahrbuch 2012 auch die neuesten Daten zur Entwicklung des Tourismus im pfälzischen Raum, in denen sich eine stetige Zunahme des Fremdenverkehrs – für Pfälzerwald und Weinstraße gleichermaßen – widerspiegelt.

Fazit des Autors
Meine obigen Ausführungen verdeutlichen, warum der Pfälzerwald ein so wertvolles Natur- und Kulturerbe ist und warum ich der Auffassung bin, dass Windkraftanlagen diesen sensiblen Naturraum nachhaltig beschädigen würden. Er muss auch weiterhin in seiner Gesamtheit, also in Kern- Pflege- und vor allem auch  in seinen Entwicklungszonen windkraftfrei bleiben.  Erhalten wir auch zukünftigen  Generationen diese ursprüngliche Landschaft!

Literaturhinweise aus Platzgründen gestrichen. Bei Interesse anfragen.

5 Gedanken zu “Windräder auch im Pfälzerwald?

  1. Hallo,
    ich bin wegen googeln nach Info zum Thema hierauf gestoßen.
    Ich studiere Landsachaftsarchitektur und mich ärgert der pseudogrüne Plan sehr.
    Maine Mail, die ich an die Grünen gesendet habe postze ich hier einfach mal.
    Was man machen kann um das zu stoppen? Petitionen, Meinung machen, Klagen.

    Sehr geehrte Grüne Annweiler,
    ich habe unter geweiteten Augen die Pläne der Landesregierung zum Bau eines Windparks im Pfälzer Wald aufgenommen.
    Es würde mir das Herz zerreisen, wenn der Pfälzer Wald bald aussieht wie der Soonwald im Hunsrück. Lieber würde ich doppelt so viel für meinen Strom bezahlen, als diese Projekte realisiert zu sehen!

    Aber nun sachlich zum Thema:
    Ich studiere Landschaftsarchitektur und weiß daher in Grundzügen über das Thema bescheid.
    Natürlich verstehe ich die Notwendigkeit der Energiewende. Grundsätzlich bin ich ein Befürworter von Windenergie, da sie verglichen mit Solar einen geringeren Flächenverbrauch durch Versiegelung aufweist und keine Nahrungsmittel wie bei Raps und Mais verbrannt werden.
    Doch folgende Punkte bitte ich Sie durchzudenken, ist Ihnen klar:

    - wie groß die Schneißen gefällt werden müssen, zum Aufbau dieser Anlagen? Die Transportfahrzeuge und Kräne haben einen 100 Meter messenden Wendekreis beim Aufbau, dazu kommen die Zufahrtswege! Diese müssten extra ausgebaut werden, um die schweren Fahrzeuge tragen zu können
    Diese Schneisen müssen auch erhalten werden, um Reparaturen und Umbauten, sowie nach ein (par) Jahren den Abbau gewährleisten zu können.
    Dazu kommt, dass viele Anlagen lange vor dem angestrebten Zeitpunkt der Nutzungseffizienz veraltet sind und ab – oder umgebaut werden müssen. Das sind zum Teil nur gut zehn Jahre. Das Argument, der Wald würde nur temporär gefällt ist eine von der Realität eingeholte Lüge der Konzerne.

    - Das die Energieausbeute, verglichen mit dem Aufwand und der Zerstörung von wervollster Biotopfläche, eher mager ist?

    - Der Pfälzer Wald neben dem rein biotischen (Artenschutz, Biotopverbund) auch einen SYMBOLISCHEN Wert hat?
    Wo kann man denn heutzutage noch das Gefühl haben, mal “draußen” zu sein? Die Silouette der lieblichen, kleinen Hügel verträgt einen Windpark noch schlechter, als die langgestreckten Züge des Hunsrücks.

    - Das wir durch den Bau der Windräder den Status als Biosphärenreservat verlieren könnten? Somit auch der naturnahe Tourismus leidet?

    Zum Schluss Frage ich mich, speziell was die Partei die Grünen angeht, warum sich eure Partei denn noch grün nennt? Habt ihr denn jegliche Ehrfurcht vor der Natur, die im Pfälzer Wald in ihrer in weitem Umkreis elementarsten Form vorliegt, verloren?
    Seid ihr euch nicht bewusst, dass diese Gebiete Orte sind, die zum nachdenken über Natur und Ökologie anregen und somit Grundlage des Grundgedankens und des Zustroms zu eurer eigenen Partei sind?
    Reicht es nicht, den Soonwald verschandelt zu haben und massenweise Raps und Mais zu verstromen?
    Es sieht mir so aus als müsste man die Umwelt mittlerweile vor den Umweltschützern schützen..

    Insgesamt betrachtet haben die Anlagen im Pfälzer Wald nichts verloren. Die Eingriffe, die nötig wären und vor allem die Zerstörung des Landschaftsbilds sind zu gravierend.
    Diese passen viel eher in Agrarstrukturen und verursachen dort weniger Kosten für Eingriff, Transport etc..
    Ich kann nur noch einmal betonen, wie schockiert ich über die Pläne bin und das gerade die Grünen diese ankurbeln. Das ist nicht grün, das ist zynisch.
    Um eine Statement wäre ich dankbar. Noch dankbarer wäre ich, wenn ich mich mit diesem Wahnsinn nicht auseinandersetzen müsste.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jens Höflinger

  2. Sehr geehrter Herr Schreiber,

    vielen Dank für ihre ausführliche Antwort.
    Mit Prozentwerten für Regionen zu rechnen halte ich für fraglich.
    Ein Prozent mehr in der einen Region, sind absolut, nicht unbedingt ein Prozent weniger in einer anderen Region.
    Zum Thema Alternativen: ich hab noch fünf weitere, allerdings sind diese auch noch nicht marktreif. Falls sich tatsächlich Alternativen durchsetzen kann der Ausbau der Winkraft angepasst werden, bzw. Anlagen werden nach 20 Jahren wieder zurückgebaut. Der ursprünliche Zustand kann wieder hergestellt werden.
    Wären Sie denn damit einverstanden, falls sich Ihre Alternativen nicht durchsetzten, dann Windräder im PW zu errichten?

    Viele Grüße, Kurt Werner

  3. Sehr geehrter Herr Schreiber,
    der von Ihnen so eindrucksvoll geschilderte Pfälzer Wald ist in vielen Teilen schon längst nicht mehr diese Naturidylle, wo ich auch hinschaue, und ich bin mehrmals in der Woche im PW unterwegs, brutalste Zerstörung durch eine maßlose, rücksichtslose Forstwirtschaft, die mit Maschinengiganten, die sich ” Vollernter ” nennen frei nach dem Motto ” Jetzt wird abgeholzt ” den Pfälzer Wald massakrieren. Da ist nichts mehr mit ” Naturpark und ” Biosphären-
    reservat. ”
    Umso mehr müssen wir uns gegen eine weitere, völlig unsinnige Zerstörung durch Windräder zur Wehr setzen, sie machen dort keinen Sinn, wir müssen
    sie stoppen.
    Viel zu lange haben die etablierten Umweltverbände und der Pfälzer Wald-Verein die Augen zugemacht, erst jetzt greift man erschreckt nach dem letzten
    Strohhalm.

    Mit freundlichen Grüßen

    Lothar Dippel

    PS.: Die Ästhetik der Natur liegt in ihrem unberührten Wesen

  4. Sehr geehrter Herr Werner,

    Zunächst herzlichen Dank für die “Blumen”. Ich wollte mit meinem Beitrag einfach den Pfälzerwald in seiner Schönheit für sich selbst sprechen lassen. Sie stellen die Frage, ob es im Rahmen der Energiewende ausreicht, den Pfälzerwald von Windrädern freizuhalten. Meine laienhafte Antwort – ich bin kein Ingenieur und Landesplaner – lautet uneingeschränkt „Ja“! Neben dem besonderen landschaftsästhetischen, ökologischen und kulturellen Wert dieses Naturraums, auf den ich ja schon ausführlich eingegangen bin, hier noch zwei weitere Argumente für meine Auffassung, die eher landesplanerischer und technischer Natur sind:

    * Vorrangflächen Windkraft: Da Naturräume und generell ökologische Prozesse nicht an der eigenen Haustür sprich den eigenen Gemeindegrenzen enden, muss auch die Planung und Koordination von Windkraftanlagen auf regionaler und überregionaler Ebene erfolgen. Betrachtet man dazu die Vorgaben bzw. die Vorrangflächen für Windkraft der einzelnen regionalen Planungsgemeinschaften im Lichte der 2 Prozent Zielsetzung der Landesregierung, so ergibt sich nach meinem Kenntnisstand folgendes Bild: Die „Planungsgemeinschaft Westpfalz“ hat 2, 8 Prozent ihrer Fläche für Windkraft festgelegt, wobei der Pfälzerwald auch weiterhin Tabuzone bleibt. Sie überschreitet damit sogar die Zielvorgaben der Landesregierung, ohne auf das Biosphärenreservat zurückgreifen zu müssen. Bei der zweiten Planungsgemeinschaft, in deren Bezirk ebenfalls einige Teile des Pfälzerwaldes liegen, nämlich der „Metropolregion Rhein-Neckar“ liegen die Daten etwas anders. Sie hat mittlerweile 0, 5 Prozent Vorrangfläche festgelegt ( vgl. Rheinpfalz vom 9. September 2011) unterschreitet also die allgemeinen Zielvorgaben derzeit um 1, 5 Prozent. Denkt man im Sinne konventioneller WKA´s weiter, so müssten entsprechende Flächen zusätzlich ausgewiesen werden. Dies könnte dann auch bedeuten, Teile des auf dem Territorium der Metropolregion liegenden östlichen Pfälzerwaldes in die Planungen für Windkraft miteinzubeziehen.
    Beide Planungsgemeinschaften (Pgn) haben jedoch im letzten Jahr vereinbart, noch enger miteinander zu kooperieren; dabei war u. a. die einhellige Beschlusslage, wie bisher den Pfälzerwald von WKA´s vollständig freizuhalten. Betrachtet man nun die von beiden Pgn´s verwalteten Gebiete als Ganzes und damit auch gleichzeitig die vollständige Fläche des Biosphärenreservates und verrechnet die obigen Zahlen, so käme man auf 3,3 Prozent derzeitige Vorrangflächen für Windkraft. Dieser Wert bezieht sich auf Flächen, die nicht das Gebiet des Pfälzerwaldes in Anspruch nehmen würden. Es fehlen also nur noch etwa 0,7 Prozent Fläche, um die allgemeinen Zielvorgaben der Landesregierung zu erreichen. Ich glaube, dass bei entsprechend geschickter Koordination und Steuerung innerhalb und zwischen den Planungsgemeinschaften diese 0,7 Prozent so für Windkraft verplant werden können, dass nicht auf den Pfälzerwald zurückgegriffen werden muss und trotzdem ein entsprechender Beitrag für den Klimaschutz geleistet wird.
    Leider haben sich im neuen Landesentwicklungsplan (LEP IV) , der in den nächsten Tagen verabschiedet wird, die politischen Rahmenbedingungen so geändert, dass meine Überlegungen höchstwahrscheinlich reine Gedankenspielerei bleiben werden. Die vorher bei den PGn´s angesiedelten Planungskompetenzen wurden im LEP IV nämlich schwerpunktmäßig auf die Ebene der Gemeinden verlagert, so dass eine übergeordnete Steuerung und Koordination beim Ausbau von Windkraft nach meiner Ansicht wenn überhaupt nur noch unter sehr erschwerten Bedingungen möglich ist; die Perspektive jeder Verbandsgemeinde endet ja im Gegensatz zu naturräumlichen und ökologischen Bedingungen und Prozessen zunächst einmal logischerweise an den eigenen Gemarkungsgrenzen.

    Außerdem ist zu bedenken, dass der Pfälzerwald in seinem jetzigen unzerstörten Zustand aufgrund der naturnahen Waldwirtschaft, d. h. seines hohen, weiterhin wachsenden Laubholzanteil eine nicht zu unterschätzende Kohlendioxidsenke ist und damit sozusagen von sich aus schon jetzt einen Beitrag zum Klimaschutz leistet.

    * Neue Technologien: Bezieht man neue Technologien zur regenerativen Energiegewinnung in die Betrachtung mit ein, so ergibt sich möglicherweise eine neue Situation, welche die obigen Flächenzuordnungen und -diskussionen hinfällig werden lässt. Zunächst muss ich allerdings nochmals darauf hinweisen, dass ich kein Ingenieur bin und als Laie die Seriosität der nachfolgenden Informationen nicht beurteilen kann.
    So habe ich zum Beispiel vor kurzem in der Saarbrücker Zeitung einen Bericht des Fraunhofer Instituts für Energietechnik in Stuttgart gelesen, wo derzeit eine neue Technik für Windenergieanlagen entwickelt wird. Sog. Kite-Hochwindenergieanlagen sollen nach Informationen des Instituts in Bau und Wartung nicht nur deutlich billiger und wesentlich effizienter als die derzeit im Einsatz befindlichen riesigen, hunderte Tonnen schweren Turbinen sein, sie sollen auch für Landschaft und Natur erheblich geringere Belastungen mit sich bringen. Momentan wird diese Technik in einer Versuchsanlage in Mecklenburg-Vorpommern erprobt und soll nach Auskunft des Instituts etwa ab 2016 serienreif sein. Eine weitere regenerative Technik könnten Strömungskraftwerke sein, die ebenfalls für den Rheingraben besonders gut geeignet sind. Dabei werden auf der Unterseite eines Pontons Turbinen installiert, die Strom erzeugen sollen. Diese Kraftwerke hätten den großen Vorteil, dass sie keinen Schwankungen unterworfen sind und deshalb gleichmäßig Energie erzeugen können.
    Ich glaube, beide Techniken eröffnen mittel- und langfristig sehr interessante Möglichkeiten gerade auch für die Rheinebene, natürlich immer vorausgesetzt, dass die jeweilige Technik störungsfrei funktioniert und anfängliche Kinderkrankheiten überwunden sind.

    Fazit: Ich bin deshalb nicht nur aus landeskundlichen Überlegungen heraus sondern auch aus landesplanerischer und technischer Perspektive der festen Überzeugung, dass auf WKA´s im Pfälzerwald verzichtet werden kann. Warum sollen in einem internationalen Schutzgebiet von solch ökologischem Wert hunderte von großindustriellen Anlagen + Infrastruktur errichtet werden, wenn es andere Planungsmöglichkeiten gibt und zukünftig wahrscheinlich auch andere Wege zur regenerativen Energieerzeugung offenstehen?

    Quellen: Verschiedene Artikel aus den Tageszeitungen „Die Rheinpfalz“ und „Saarbrücker Zeitung“

    Herzliche Grüße

    Herbert Schreiber

  5. Sehr geehrter Herr Schreiber,

    vielen Dank für ihren Beitrag. Sie haben die Besonderheiten und auch die Schönheit dieser Landschaft eindrucksvoll dargestellt.
    Für mich stellt sich jetzt die Frage was bedroht diese Landschaft und vor allem auf welcher Zeitschine. Aktuell befasse ich mich mit den Auswirkungen menschlicher Aktivitäten im Hinblick auf die Thermodynamik des Erdsystems.
    Was können wir tun, reicht es aus im Pfälzer Wald keine WKA aufzustellen?

    Viele Grüße,
    Kurt Werner

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>