Windräder auch im Pfälzerwald?

Ein Beitrag von Ernst Gerber, Annweiler.

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Bild 1: Transportzug

Für Windenergie sind (fast) alle. Aber auch im Pfälzerwald?

Hier – wie so oft – geht es um  Güterabwägung für Windenergie gegenüber der ungestörten Natur/Naturerlebnis.

Ernst Gerber: “Es geht mir nicht um persönliche Befindlichkeiten, noch bin ich für oder gegen AKWs oder hänge dem St. Floriansprinzip an”.

Standorte
Als Standorte werden von der Verbandsgemeinde Annweiler u.a. der Stammberg 481m ü .N.N., direkt hinter dem Annweiler Forsthaus oder das Gebiet Großeck/Kurzeck ca. 500m  ü. N.N., direkt am Taubensuhl, angepeilt.

Die Gesamthöhe der WKA liegt bei ca. 200m und damit in 700m Sichthöhe.

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Bild 2: Windräder am Luitpoldsturm (Fotomontage)

Die Windmühlen wären damit von jeder Ecke des Pfälzer Waldes zu sehen und würden die Silhouette dominant bestimmen. So direkte Sicht vom Luitpoldsturm, Eschkopf, Rehberg, Haardtgebirge, sogar vom Donnersberg und Wegelnburg.

Physikalische Bedingungen
Unsere Region gehört zu den Windärmsten in Europa (windpower.org, deutscher wetterdienst.de). Die Windresourcen liegen in 50m Höhe bei durchschnittlich ca. 4 m/s.
Bei diesen Windverhältnissen, der Rauhigkeit des Geländes, den Turbulenzen (Steilhänge im Wellbachtal) und dem stark wechselnden Wind, muss man aus physikalischen Gründen auf größte Anlagen setzen. Es wird von 3 MW-Windkraftanlagen gesprochen.

Um auf eine Windmenge von durchschnittlich mindestens 6-8 m/s zu kommen, wird man Türme von 140m  Höhe mit Rotorblättern von 50–60 m Länge bauen müssen. Kleinere Windmühlen sind ungeeignet. Daraus folgt logischerweise: “lieber zwei kleinere als eine größere Anlage” ist keine Alternative.

Nennleistung und Rentabilität
Bei 365 Tagen könnte man max. 8.760 Vollaststunden ernten. Wegen Abschaltungen kann realistisch max. mit 7.800 Betriebsstunden gerechnet werden. Bei unseren Windverhältnissen sind max. 1.650–1.750 Vollaststunden zu erwarten. In besseren Windgebieten sind 2.000 Volllaststunden normal. Ein Windrad an der Küste produziert 150 bis 250 Prozent der Leistung.

Eine 3MW-Anlage produziert unter diesen Verhältnissen 3MWx1.650h, also 4.950MWh.

Um 7.000-8.000 MWh zu erreichen und damit einigermaßen ertragreich zu sein, bräuchte man 2.500 Vollaststunden. Aber welcher Investor kalkuliert schon sein Risiko mit so hohen Werten?

Die Stromabnahmevergütung ist im EEG (Erneuerbare-Energie-Gesetz) geregelt.
Nach diesem Gesetz verringert sich bnei Anlagen in windreichen Gebieten die Einspeisevergütung nach fünf Jahren. Folge: Deshalb baut man lieber in windschwachen Gebieten, da gibt es länger Subventionen.

Im Eigenbetrieb können z.B. die Stadtwerke Annweiler Opportunitätskosten in Höhe von  ca. 12 ct/kWh gegenüber dem jetzigen Strompreis einsparen (Stromabgaben/Steuern/Netznutzung). Das führt bei einem Investment pro Anlage von geschätzt 4 Mio Euro zu einem Ergebnis von ca. 1 % = ca. 40.000.- Kein Unternehmer würde so etwas wagen. Bei einem windarmen Sommer ist der Verlust programmiert.

Diesen Gewinn finanziert die Allgemeinheit der Stromverbraucher über den Strompreis, vornämlich Arbeitnehmer ohne Eigenheim mit PV-Anlage und ohne Möglichkeit, sich an einem Ökoinvestment im Windbereich zu beteiligen. Es müssen nämlich zwei Systeme parallel gefahren werden: Kohlekraftwerke (im standby–Betrieb bei 200°C + Abgas), welche die Nutzung von Windkraftanlagen (Lastkurven) erst ermöglichen.

Zerstörung der Landschaft
Um mit Schwerlast-Transporten durch den Wald zu kommen, müssen ganze Trassen gerodet  und geschottert werden.

Bild 3

Bild 3: Schwertransporte

Die Windflügel z.B. sind 60m lang und werden am Stück mit speziellen Tiefladern transportiert.

Bild 4

Bild 4: Transport eines Windradflügels

Dies entspricht bildlich dem Transport der Concord ins Technikmuseum – aber nicht über Landstrassen, sondern über zu rodende Trassen und Höhenunterschieden von 250m.

Fazit
Mit diesen sehr teuren und damit wenig rentablen Windmühlen, wie sie im Pfälzerwald erforderlich wären, entsteht nicht wirklich ein nennenswerter Gewinn, der es rechtfertigen würde den Wald zu zerstören und seine Silhouette industriell zu überfrachten.

Auch wäre an dieser Stelle eine vergleichende Kostenrechnung angebracht.
Wir haben im Naturpark Pfälzerwald in 2011 über 2 Mio Übernachtungen und weisen aus dem Tages- und Übernachtungstourismus einen Nettoumsatz von ca. 750 Mio EUR aus. Davon hängen Gastronomie und in der Folge Handwerk, Einzelhandel mit ihren  Arbeitsplätzen im strukturschwachen Gebiet ab.

Ob es moralisch und gerecht wäre, einen günstigeren Strompreis in der Verbandsgemeinde von der Allgemeinheit finanzieren zu lassen?
Ernst Gerber, Annweiler-Queichhambach

3 Gedanken zu “Windräder auch im Pfälzerwald?

  1. Herr Gerber, Respekt für Ihr Engagement, Windräder im Pfälzerwald zu verhindern. Zunächst eine mir wichtige Frage: Wieviel von der Politik zugesagten Gelder haben die Gemeinden, in denen bereits Windräder stehen, bisher wirklich ausbezahlt bekommen? Vielen Dank für Ihre Mühe;
    herzlichen Gruß, Klaus Wadle, Dipl.Kfm.

  2. Auch wir sind hier im Norden (nähe Bremen) sind von WKAs betroffen.
    Mit Interesse habe ich Ihren Bericht gelesen und wünsche Ihnen viel Erfolg.
    Aus Erfahrung empfehle ich Ihnen eine Prüfung des “Rückbaus” nach 20 Jahren (bei uns ist es ausreichend das Fundament bis in eine Tiefe von 1m zu beseitigen) eine Ackerbewirtschaftung ist danach also unmöglich) Außerdem wird bei uns bereits eine REPOWERING durchgeführt, d.h. kleine Anlagen, die in der Nähe von Wohnbebauungen stehen (Nabenhöhe ca 80m) wird erhöht auf 140m.
    Also nochmal viel Erfolg…

  3. Es ist mir egal welche Argumente für und wieder diese Windräder stehen für eines der “noch größten, noch zusammenhängendem Waldgebiete” in EUROPA gibt es nur eins: HÄNDE WEG!
    Zuerst einen Nationalpark (ach den haben wir vergessen…), dann weit drumherum vielleicht ein paar “Windmühlen”, gerne auch in meinem Garten (Vertikaldreher!) der hat 1ha! Das würde für mich und meine nächsten Nachbarn sicher reichen. Und wenn wir die Energiewende wirklich dezentralisieren (auf allen Ebenen, grundsätzlich herunter auf die Einzelbebauung), heißt leider weg mit den Energieerzeugenern EON, ENBW, RWE, Vattenfall (sorry liebe Unternehmen), dann schaffen wir das sowie so. Fakten können gerne andere liefern.

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