SWR-Talk “Windkraft im Pfälzerwald”. Und die Diskussion wird weitergehen …

Wer den SWR-Talk “Windkraft im Pfälzerwald” am Mittwoch, 22.5., gesehen hat …

…konnte sich selbst mal wieder ein Bild von der aktuellen Diskussion machen.
In der Sendung ‘Reiss & Leute’ ging es um den Streit um Windkrafträder im Pfälzerwald. Die Gesprächspartner waren: Wirtschaftsministerin Eveline Lemke, Martin Brandl vom Pfälzerwaldverein, Kurt Wagenführer, Bürgermeister der VG Annweiler und Stefan Huwer von Initiative Pro Pfälzerwald.

Bild 2: Die Diskussionsleiter Sven Ewert (links) und Christina Schramm.

Bild 2: Die Diskussionsleiter Sven Ewert (links) und Christina Schramm.

Green RoundTable hat in seiner Premieren-Veranstaltung darüber diskutiert
Unter der sachkundigen Leitung von Christina Schramm, Annweiler, und Sven Ewert, Landau, hatten sich am 18. April am Green RoundTable zehn Pfälzer Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Berufsfeldern versammelt, um das Pro und Contra zu “Windräder auch im Pfälzerwald?” zu erörtern:

  • Ernst Gerber, Dipl.Kaufmann, Queichhambach
  • Yan Gerbes, Physiotherapeut, Bad Bergzabern
  • Prof. Karl Keilen, Ltd. Ministerialrat, Bornheim
  • Jürgen Paulig, Dipl.-Ing., Annweiler
  • Ekkehard Richter, Bioland Winzer, Siebeldingen
  • Peter Schneider, Inhaber Waldgaststätte Taubensuhl
  • Helmut Seebach, Verleger, Queichhambach
  • Georg Steiner, Winzer, Siebeldingen
  • Kurt Werner, Werkzeugmacher, Hassloch
  • Marita Wolf, Bankkauffrau/Geldlehrerin, Annweiler.

    Bild 3: Die Diskutanten argumentieren emotional engagiert aber sachlich und mit visueller Unterstützung durch eigene Fotos.

    Bild 3: Die Diskutanten argumentieren emotional engagiert aber sachlich und mit visueller Unterstützung durch eigene Fotos.

Bild1a: Blick ins vollbesetzte Auditorium mit insgesamt 2oo Teilnehmern.

Bild1a: Blick ins vollbesetzte Auditorium mit insgesamt 2oo Teilnehmern.

Die rund 200 Teilnehmer im Auditorium waren durchweg aufmerksame Zuhörer, die ihr persönliches Engagement mit hörbarem Applaus oder Missfallensbekundungen, je nachdem, deutlich zum Ausdruck brachten. Die Diskutanten liessen sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen und tauschten ihre Argumente und Überlegungen mit professioneller Rhetorik und teilweise unter Zuhilfenahme von Bildern und Grafiken zum Thema “Windkraft ja – aber auch im Pfälzerwald?” in überaus sachlicher Weise aus.

Bild 1b: Die 200 Teilnehmer im Auditorium begleiten die Diskussion mit lebhafter Resonanz.

Bild 1b: Die 200 Teilnehmer im Auditorium begleiten die Diskussion mit lebhafter Resonanz.

Wenn im einen oder anderen Falle einmal die Emotionen zu sehr hochzukommen schienen, war die absolut souveräne Diskussionsleitung rechtzeitig und mit viel Fingerspitzengefühl schnell dabei, das Streitgespräch wieder in ruhige Bahnen zu lenken.

Eine neue Form von Bürgerbeteiligung
Der markante Ausspruch des Diskutanten Ernst Gerber aus Annweiler brachte es auf den Punkt: “Die Politiker sollten mal auf uns Bürger hier hören. Wir wollen hier kein STUTTGART21″.

Bild 4: Heftige Diskussionen der Teilnehmer mit den Diskutanten an den MeetingPoints. Hier mit Prof. Karl Keilen, Bornheim.

Bild 4: Heftige Diskussionen der Teilnehmer mit den Diskutanten an den MeetingPoints.
Hier mit Prof. Karl Keilen, Bornheim.

Und Helmut Seebach aus Queichhambach fügte hinzu “Ich kenne Personen, die Morgen als erste die Zeitung aus dem Briefkasten holen, um die Berichterstattung der Presse zur Green RoundTable Diskussion über Winderäder im Pfälzerwald zu lesen – nämlich die Lokalpolitiker”.
Das Green RoundTable Motto “Von Bürgern für Bürger” wurde in einer neuen Form öffentlicher Diskussionsveranstaltung umgesetzt. Nach rund einer Stunde lebhafter Diskussion nämlich wurde eine Pause von einer halben Stunde eingeschoben. Die Diskutanten standen auf und gingen an die für sie jeweils vorbereiteten individuellen MeetingPoints.

Bild 5: An den MeetingPoints wurden die Diskutanten noch einmal von den Teilnehmern in die Zange genommen. Hier Kurtl Werner (links), Hassloch.

Bild 5: An den MeetingPoints wurden die Diskutanten noch einmal von den Teilnehmern in die Zange genommen. Hier Kurtl Werner (links), Hassloch.

Die Teilnehmer aus dem Auditorium hatten jetzt Gelegenheit, je nach persönlichem Gusto, die einzelnen Diskutanten gezielt “auf’s Korn zu nehmen” um sich einzubringen. Und sie machten davon auch intensiv und reichlich Gebrauch, wie die sehr lebhaften Diskurse an den MeetingPoints zeigten.
In der sich dann anschliessenden finalen zweiten Diskussionsrunde am Green RoundTable flossen die Stimmungen aus den Diskussionen mit dem Auditorium an den MeetingPoints erkennbar ein.

Bild 6: Der Diskutant Ernst Gerber (links), Queichhambach, argumentiert an seinem MeetingPoint mit Teilnehmern.

Bild 6: Der Diskutant Ernst Gerber (links), Queichhambach, argumentiert an seinem MeetingPoint mit Teilnehmern.

Und auch nach zweieinhalb Stunden, nach Ende der Premieren-Veranstaltung, setzten sich die Gespräche in kleinen Gruppen noch fort…

Die Premieren-Diskussion von Green RoundTable war für alle ein Erlebnis
Nämlich zu sehen und zu hören, wie mündige Bürger mit Engagement, Sachverstand und Respekt vor der gegensätzlichen Meinung anderer in aller Öffentlichkeit sehr kontroverse Themen erörtern können.

Da sollten sich viele Politiker mal ein Beispiel nehmen.

Sehr schade, dass gerade Regional- und Lokalpolitiker auf der Premiere von Green RoundTable kaum gesichtet wurden. Sie hätten etwas lernen können.

Günter Hirschmann, Annweiler

Weiterführende Links

 

13 Gedanken zu “SWR-Talk “Windkraft im Pfälzerwald”. Und die Diskussion wird weitergehen …

  1. Herr Werner schreibt, dass “im übrigen nur ein kleiner Tail des PW für WK in Frage kommt”. Zu dieser Feststellung einige Fakten aus dem LEP IV:

    * Kern- und Pflegezonen kommen als Windenergiestandorte „nicht in Betracht“. Zusammengenommen machen diese Ausschlussgebiete 30,03% der Gesamtfläche des Biosphärenreservates aus.

    * Auch der Haardtrand als historischer Kulturlandschaft ist von der Windkraftnutzung ausgenommen. Dies gilt ferner für einen „Korridor von einer maximalen Tiefe von sechs Kilometern in den sich westlich an den Haardtrand anschließenden Höhenzügen des Pfälzerwaldes“. Je nach räumlicher Konkretisierung (Breite des Korridors von 4, 5 oder max. 6 Kilometer) umfasst dieser Streifen bei einer Länge von etwa 50 Kilometern eine Fläche von hochgerechnet ungefähr 200 bis 300 km², was bei ca 1800 km² Gesamtfläche etwa ein Neuntel bzw. 11% bis ein Sechstel bzw.17% der Gesamtfläche des Biosphärenreservates entspricht.

    * In den übrigen Gebieten (Entwicklungs- und Stillezonen) ist der Bau von Windkraftanlagen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, wenn sie nicht „zu einer erheblichen Beeinträchtigung des jeweiligen Schutzzweckes führt und eine Ausnahme erteilt werden kann.“

    Vor Inkrafttreten des überarbeiteten LEP IV im Jahre 2013 waren laut den regionalen Raumordnungsplänen 100% der Gesamtfläche des Biosphärenreservates Ausschlussgebiet für Windkraftanlagen.Dagegen führt die neue Rechtslage zu einer erheblichen Reduktion der Ausschlussflächen auf 40% bis 47 % Gesamtfläche, da diejenigen Gebiete, die für Windkraftnutzung prinzipiell offenstehen, je nach räumlicher Konkretisierung des Haardtrandkorridors nun eine Fläche von etwa 53% bis 59% also mehr als die Hälfte der Gesamtfläche des Biosphärenreservats einnehmen.

    Herbert Schreiber

  2. Die Argumentation von Herrn Greiner wurde letztes Wochenende widerlegt.
    Bei der naturkundlichen Wanderung zum GEO-Tag der Artenvielfalt auf den Grünstadter Berg wurden viele wertvolle Arten gefunden. Keine 200m davon stehen Windräder.
    Im übrigen kommt nur ein kleiner Tail des PW für WK in Frage.
    Desweiteren vermisse ich Aussagen zu den bisherigen Belastungen im PW. Offensichtlich stört sich daran niemand.
    Es gibt sowohl Plätze für sensible Arten als auch Plätze mit viel Lärm und Gestank.
    Bei der Standortsuche sind natürlich sensible Regionen tabu.

    Gruß,
    Kurt Werner

  3. Hallo,
    gibt es einen Videomitschnitt der Diskussion?
    Falls nicht, wäre das eine gute Sache für die Zukunft.

  4. Herr Werner hat geschrieben dass die Energiewende von unten gewollt ist. Ich glaube er hat Recht. Aber, zu sagen dass es keine vernünftigen Argumente gegen die Windkrafträder in PW vorgebracht wurden stimmt nicht, nach alldem was ich bisher darüber gelesen habe. Was ist mit der Bedrohung der Tiere die in der Nähe leben (Vögel, Fledermäuse, usw.)? Was ist mit der dazu notwendig und wiederholten Eingriffe in die Natur (einen Kahlschlag von Bäumen wo die Räder aufgebaut werden sollen, wo die Stromleitungen gelegt werden, die Strassen die für die schwere Geräte breiter gemacht werden müssen, Erosion der Erde bei Steillage, Lärm von der Windkrafträder)? Lass mich es auch so formulieren. Warum ist es notwendig dass die Windkrafträder unbedingt in den PW aufgebaut werden müssen? … in einem Naturschutzgebiet, ein “…Reservat”… wir leugnen die Bedeutung diese Begriffe wenn wir sowas tun. Nenne es lieber was es ist, Pfälzernutzwald für die Energiewende!

  5. Ob die Große Mehrheit der Bevölkerung gegen Windkraft im PW ist, ist fraglich. Bei Veranstaltungen wie die in Annweiler kommen in erster Linie Gegner. Wenn ich Bekannte und Kollegen frage hat die überwiegende Mehrheit nichts gegen WK im PW.
    Allerdings würden diese Menschen sich nicht derart engagieren wie die Gegner der WK. Von daher ist eine Aussage schwer möglich.
    Drohungen in Richtung Poltik halte ich nicht für hilfreich. Warum nicht weiter sachlich die Argumente diskutieren?

    Kurt Werner

  6. Die Sache ist noch lange nicht entschieden.
    Wenn die grün-rote Landesregierung nicht einen massiven Widerstand der Bevölkerung riskieren will, sollte sie schnellstens von dem Vorhaben “Windräder auch im Pfälzerwald” Abstand nehmen.
    Wie sehr eine grosse Mehrheit in der Bevölkerung strikt dagegen ist, hat zuletzt auch die öffentliche Diskussion von Green RoundTable in Annweiler am 18. April gezeigt mit 200 Teilnehmern im Auditorium. Hätten wir mehr direkte Demokratie und könnten die Bürger in der Pfalz direkt abstimmen lassen, käme die Wahrheit ans Licht und könnte dann auch nicht durch eine inhaltsarme Beredsamkeit der Ministerin Lembke übertüncht werden.
    Günter Hirschmann, Annweiler

  7. der Vergleich Stuttgart 21 mit Windkraft im Pfälzer Wald hinkt.
    Die Energiewende ist von unten gewollt. Beim Ausbau der Windkraft im PW gibt es unterschiedliche Meinungen. Bisher wurden keine vernünftigen Argumente gegen Windkraft im PW vorgebracht.
    Im Gegenteil: viele widersprüchliche Aussagen und persönliche Abneigungen. Es gilt objektiv die Belange der Umwelt und der Ökonomie zu berücksichtigen. Wir hoffen sehr, im Interesse der Umwelt und nachfolgender Generationen, dass sich in dieser Frage die Vernunft durchsetzt.
    Birgit Halbig, Kurt Werner,
    Haßloch

  8. AM Mittwoch den 22.Mai ist auf SWR 3 um 18.15 eine Diskussionsrunde live über Winkrafträder im Pfälzerwald: Mit dabei u.a. Verbandsbürgermeiser Wagenführer.Bitte bekannt machen weiss ja doch keiner,

    Gerhard Lorenz

  9. Ich möchte mich den Worten von Herrn Gerbes anschließen! Die weite Anfahrt hat sich für mich als passioniertem Pfälzerwäldler in jedem Fall gelohnt. Herzlichen Dank an alle Beteiligten, vor allem natürlich an die Organisatoren!

    Herbert Schreiber

  10. An das GRT-Organisationsteam

    Gratulation! Ihr habt alles sehr gut vorbereitet und deshalb hat auch alles bestens geklappt. Ich denke es war für alle Beteiligten und für die Besucher ein recht informativer und kurzweiliger Abend. Schade, dass von Seiten der Entscheidungsträger (von Annweiler, über den Kreis, bis hin zur Landesregierung) aber auch von Seiten der Naturparkverwaltung und den Tourismusverbänden so wenig Teilnahmeinteresse gezeigt wurde. Ich denke wer sich von den Bürgern fern hält, wird auf Dauer auch von den Bürgern gemieden werden. Da reicht es nicht aus, lediglich „Überzeugungsarbeit“ beim Volk zu leisten, man muss auch das Ohr dafür öffnen, was die Bürger zu sagen haben.

    Ich hoffe, dass das Grüne-Rund-Tisch-Format weitergeführt wird – in dem Sinne „Von Bürgern – für Bürger“.

    Yan Gerbes

  11. Lieber Fritz, Danke für Deine aufmunternden Worte.
    Warum kommen wir eigentlich mit der Verlinkung zum Verein für mehr direkte Demokratie nicht voran?
    Günter

  12. war leider verhindert – aber auf jeden Fall beste Glückwünsche zur erfolgreichen Premiere und insbesondere zur Aktivierung des mündigen Bürgers, der hier eine Plattform erhält.
    Ist übrigens auch die neue Bestimmung von Frau Lemke erörtert worden, dass letztlich die Mehrheit der Bürgerschaft über die Errichtung von Windrädern in den einzelnen Gemeinden entscheiden soll?? Insofern erscheinen mir derartigen Veranstaltungen bes.wichtig, um die Sachkompetenz auszubauen.

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