Pro und Contra Windkraft im Pfälzerwald

9  Fragen an die Diskutanten von Green RoundTable
Von Kurt Werner und Birgit Halbig

 Ausgangslage
Die Energiewende ist erforderlich und gewollt. Um aus der Atomkraft auszusteigen und um fossile Kraftwerke zu ersetzen. Dazu benötigen wir erneuerbare Energien. Jede Art von erneuerbarer Energie hat ihre speziellen Vor- und Nachteile. Die Verfügbarkeit ist regional aber sehr unterschiedlich.Neben Strom müssen auch Wärme und Kraftstoffe auf nachhaltige Energieträger umgestellt werden.Umwelt Natur Wald

Ausbau der Windkraft in RLP
Welche Standorte sind dafür geegnet und werden von der Bevölkerung akzeptiert?
- Windräder dürfen nicht im bewohnten Raum errichtet werden
- Abstände zu Wohnraum und Infrastruktur müssen vorhanden sein
- die Umweltverträglichkeit muß gewährleistet sein
- keine unverhältnismäßigen Eingriffe in Umwelt für Zuwegung und Anbindung
- Wirtschaftlichkeit muß gewährleistet sein
- keine optische Beeinträchtigung von Kulturlandschaften
- keine Errichtung in Naturschutzgebieten
- keine Errichtung im Pfälzerwald, Soonwald, Regionen im Westerwald und weitere.
Reicht bei so viel pauschalen Ausschlüssen überhaupt noch die Fläche für die erforderliche Kapazität?

Fraunhofer-Studie
In Diskussionen wird dazu immer wieder eine Studie des Fraunhofer-Instituts zum Windpotential zitiert, nach der 5% oder mehr der Landesfläche geeignet sind, aber nur 2% benötigt werden. Ein Beitrag der Windenergie an Land von 60% (ca. 390 TWh) sei möglich. Es wurde allerdings keine differenzierte Auswahl der Flächen vorgenommen, sondern nur unter Berücksichtigung der bebauten Flächen und erforderlichen Abständen, sowie dem Windatlas ermittelt, welche Leistung rechnerisch zur Verfügung steht.
Offensichtlich ist diese Studie mißverstanden worden. Denn es wurde ja keine differenzierte Auswahl und schon gar nicht eine konkrete Platzierung von WKA vorgenommen. Wenn konkret Flächen für WKA gesucht werden, werden dabei auch Flächen als nicht geeignet eingestuft. Diese Flächen vermindern die zuvor genannten Potentiale erheblich.
Daher stellt sich die Frage ob überhaupt 2% der Landesfläche zur Verfügung stehen.
Wenn dabei noch große Flächen pauschal ausgeschlossen werden, sind dann 2 % überhaupt noch erreichbar?

Frage 1 Ausschluss-Flächen und Alternativ-Standorte
Stehen für pauschal ausgeschlossene Flächen wie der Pfälzerwald, Soonwald, Regionen im Westerwald, genügend andere Flächen zur Verfügung?
Sind Flächen, die nicht pauschal ausgeschlossen werden, ohne Einschränkung für WKA nutzbar? Oder sind auch hier Flächen dabei, die auf Grund nicht vorhandener Umweltverträglichkeit oder anderer Gründe für die Nutzung als WKA-Standort nicht genommen werden können?
Ist es möglich, dass bei pauschal ausgeschlossen Flächen,Teilflächen dabei sind, die für WKA nutzbar wären? Falls nein, warum nicht?

Frage 2 Keine Windkraftanlagen im Pfälzerwald
Als Argument für den pauschalen Ausschluss des Pfälzerwaldes wird u.a. angeführt, dass es sich dabei um das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands handelt. Warum ist „größtes“ und „zusammenhängendes“ ein Ausschluss-Kriterium? Gilt das auch für die längsten, höchsten, kompaktesten Küstenlinien, Wattenmeer, Hochebenen, Bergkämme, Wiesen, Streuobstwiesen …usw. ?
Sind nicht gerade auch die kleinsten Waldgebiete/Wiesen… schützenswert?

Frage 3 Umweltverträglichkeitsprüfung
Ist bei der Suche nach Standorten im Pfälzer Wald nicht grundsätzlich eine Umweltverträglichkeit durchzuführen?
Wenn es im Pfälzerwald nur wenige geeignete Standorte gibt, die für WKA geeignet sind, kann dann nicht gleich ganz darauf verzichtet werden?

Frage 4 Verspargelung
Wenn aber nur wenige WKA errichtet werden, wie können dann diese den ganzen Pfälzerwald negativ beeinflussen? Wieso wird dann anderseits eine starke Verdichtung (Versparkelung) befürchtet?

Frage 5 Zuwege/Stromtrassen
Es ist schon wahr: der Strom von WKA im Pfälzerwald kann nicht in unmittelbarer Umgebung verbraucht werden. Zuwege sind notwendig. Aber stellt sich dann nicht gleichzeitig die generelle Frage, in welcher Entfernung sollte der Strom verbraucht werden?
Aus welcher Entfernung bekommen z.B. die Gemeinden Annweiler, Hauenstein, Dahn, Lambrecht, Neidenfels, Weidental, Hochspeyer, Enkenbach-Alsenborn den Strom? Und woher kommt der Strom für Pirmasens, Zweibrücken und Kaiserslautern?

Frage 6 Tourismus
Welche Auswirkungen haben WKA an der Nord- und Ostsee auf den dortigen Tourismus?
Was stützt die Behauptung, dass WKA negative Auswirkungen auf den Tourismus haben? Wird der Tourismus durch WKA ganz abgewürgt oder anteilig? Und wenn anteilig, in welcher Größenordnung?
Wenn WKA im Pfälzerwald negative Auswirkungen auf den Tourismus haben, wie wirken sich dann WKA in anderen touristischen Regionen aus?

Frage 7 Visuelle Beeinträchtigung
Welche Kriterien gelten für die visuelle Beeinträchtigung?
Wie sieht es mit dem vorhandenen urbanen Landschaftsbild aus für:
Hochspannungsleitungen, Autobahnen, Fabriken, Gewerbegebieten, AKW, Kohlekraftwerke, Wohnsiedlungen, Gebäuden aller Art…?

Frage 8 Sankt-Floriansprinzip und Alternativliste
Wie wirkt sich das Freihalten des Pfälzerwaldes auf den Zubau in anderen Regionen aus, in denen ein Zubau möglich ist? Wenn ein bestimmter Standort freigehalten werden soll, sollte dann ehrlicherweise nicht in einere Alternativliste ein anderer Standort konkret benannt werden?

Frage 9 Regionen-Solidarität
Besteht nicht die Gefahr, dass die Vorderpfalz von der Energiewende abgehängt wird? Die Vorderpfalz ist dicht besiedelt mit viel Industie und Infrastruktur für die ganze Pfalz. Auch aus dem Raum Kaiserslautern und Kirchheimbolanden kommen viele Menschen in die Metropolregion um hier zu arbeiten. In der Vorderpfalz
gibt es aber nicht genügend Flächen und auch nicht die Windhöffigkeit, um den Strombedarf annähernd zu decken. Die Westpfalz alleine kann nicht genügend Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen.

Fazit: Schutz des Pfälzerwaldes
Ein Grund für den Ausbaus der Windenergie ist der Klimaschutz.
Sind die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf den Pfälzer Wald bekannt?
Die Auswirkungen auf den Trockenstress, auf vermehrte Starkregen-Ereignisse, auf Stürme und andere Unwetter, auf ein vermehrten Schädlingsbefall, auf die Waldbrandgefahr?

Wir fragen uns: Was ist das kleinere Übel?
Die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels auf unseren Pfälzerwald oder das Aufstellen von Windrädern?
Bei einer Wanderung entlang der Weinstraße können wir feststellen, was das Landschaftsbild mehr beeinträchtigt: Kühltürme von Atomkraftwerken oder Windräder?
Auf einer Radtour auf dem Kraut- und Rübenweg von Grünstadt nach Offenbach
können wir die Windräder entlang der Strecke zählen und wahrnehmen welche Eindrücke diese Bilder auf uns ausüben.
Birgit Halbig / Kurt Werner, Haßloch

10 Gedanken zu “Pro und Contra Windkraft im Pfälzerwald

  1. Sehr geehrter Herr Gerber,

    danke für Ihre Fragen.
    Zu Frage eins, LEP IV: damit habe ich mich ausführlich befa?t da ich im AK- Energie RLP eines Umweltverbandes bin.(K.Werner)
    Luitpoldturm, Eschkopf: auf Ersterem war ich schon. (K.Werner)
    Darüber hinaus waren wir in vielen Regionen im Pfälzer Wald und darüber hinaus.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Birgit Halbig, Kurt Werner

  2. Sehr verehrte Frau Halbig,
    sehr geehrter Herr Werner,

    nur zwei Fragen: erstens, haben Sie sich mit dem LEP IV, 2. Lesung, von Frau Lemke schon mal beschäftigt; zweitens, waren Sie schon mal auf dem Eschkopf oder auf dem Luitpoldsturm ????

    Mit freundlichen Grüßen

    Ernst Gerber

  3. Sehr geehrter Herr Schreiber

    vielen Dank für Ihren ausführlichen Artikel zum Thema.
    In vielen Punkten möchte wir Ihnen zustimmen.
    Der Pfälzer Wald ist sicher etwas ganz Besonderes.
    Sicher sind auch noch viele andere Regionen ökologisch wertvoll.
    Aus unserer Sicht ist aber der Pfälzer Wald nicht überall so wie ihn Naturliebhaber gerne hätten.
    Denken Sie nur an die B10, die B39 und die A6,
    Im Odenwald, Franken usw. kennen wir Regionen die weniger belastet sind. Auch die Donnersbergregion zählen wir dazu, wo Windräder gebaut werden dürfen.
    In Gegensatz dazu gibt es Bereiche im Pfälzer Wald die zu stark belastet sind.
    Z.B. waren wir vor zwei Jahren auf dem Taubensuhl Wandern, zufällig war dort eine Quad Tour unterwegs.
    Der Lärm und Gestank hat uns schnell vertrieben.
    Wenn es stimmt das Leute wegen Windräder weg bleiben, sollten deswegen auf dem Taubensuhl unbedingt Windräder errichtet werden. Auf dem Taubensuhl wäre dann eine Win-Win Situation.
    Ruhe und kein Gestank in der Natur.
    Bei Bedarf kann jeder über Google unter Suchbegriff:
    Quadtouren im Pfälzer Wald nachlesen was geboten wird. Bilder sind auch eingestellt. Ortskundige werden die Region sicher erkennen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Birgit Halbig, Kurt Werner

  4. Guten Tag,
    Vielen Dank für die Veröffentlichung der Fragen von Herrn Werner und Frau Halbig!
    Endlich hört man hier mal die Überlegungen von Menschen, die sich wirklich darum Gedanken machen, wie man eine gute Lösung finden kann. Eben nur dann, wenn man alle Aspekte überdenkt und unvoreingnommen prüft.
    Wer dies nicht in ausreichendem Maße tut, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, nur an sein ihm unmittelbar vor Augen stehendes Eigenwohl zu denken und nicht nach der bestmöglichen Lösung zu suchen.
    Elisabeth Freudenmacher

  5. Sehr geehrter Herr Hirschmann,
    es freut mich, dass Sie meinen Beitrag als “Artikel” auf Ihrer Web-Seite veröffentlichen wollen, wofür ich Ihnen hiermit selbstverständlich “grünes Licht” gebe. Es wäre gut, wenn wir dabei die “verlorengegangenen” Formatierungen irgendwie wieder einbauen könnten. Wie wäre hier das technische Vorgehen? Soll ich Ihnen meinen Text per e-mail mit allen Formatierungen als Word-Datei zuschicken?

    Herzliche Grüße und noch einen schönen Abend

    Herbert Schreiber

  6. Sehr geehrter Herr Schreiber,
    wenn Sie einverstanden sind, veröffentlichen wir Ihren Kommentar als “Artikel” auf der web-Site.
    Ist das O.K.?
    (hi)

  7. Da ich die Diskussionsveranstaltung am 18. 04. leider aus Termingründen nicht besuchen kann, möchte ich auf diesem Wege zu einigen Punkten bzw. Fragen, die von Frau Halbig und Herrn Werner dankenswerterweise zusammengestellt worden sind, einen Kommentar abgeben und dabei einige, vielleicht relevante Inhalte ergänzend beisteuern.

    Zunächst möchte ich mich Aspekt 2 „Keine Windkraftanlagen im Pfälzerwald“ zuwenden. Hier schreiben Sie, „dass als Argument für den pauschalen Ausschluss des Pfälzerwaldes u.a. angeführt wird, dass es sich dabei um das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands handelt.“ Sie stellen dann die Frage, warum „größtes“ und „zusammenhängendes“ überhaupt ein Ausschluss-Kriterium sein soll….“; dann müsste dies ja für andere Landschaftsräume genauso gelten.

    Hierzu nun meine Antwort, die ich mit einigen landeskundlichen Basisinformationen „unterfüttert“ habe:

    Ich denke schon, dass es sich beim Merkmal „größtes, zusammenhängendes Waldgebiet“ um ein besonders wichtiges Charakteristikum des Naturraums „Pfälzerwald“ handelt, das im Rahmen unserer Problemstellung als eines von mehreren Ausschlusskriterien anzusehen ist. Gerade ein so großes, unzerschnittenes und fast menschenleeres Waldgebiet hat einen besonders hohen landschaftsästhetischen und ökologischen Wert, so dass es als Refugium und Rückzugsgebiet gefährdeter Tier- und Pflanzenarten dienen kann. Außer dem Pfälzerwald haben wir in unserem dicht besiedelten, hochindustrialisierten Land ja eigentlich nur noch den Hinteren Bayerischen Wald, der ebenfalls so unzerschnitten ist und dem deshalb eine ähnlich große ökologische Bedeutung zukommt.
    Um meine These weiter zu untermauern, habe ich im Folgenden einige landeskundliche Basisinformationen zum „Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord“ zusammengestellt. Sie sollen veranschaulichen, warum der Pfälzerwald etwas ganz Besonderes ist, ein schützenswertes „Kleinod“, das unbedingt von Windkraftanlagen freigehalten werden müsste.

    Landeskundliche Basisinformationen zum Biosphärenreservat „Pfälzerwald-Vosges du Nord“:

    1. Naturräumliche Begrenzung
    Der Pfälzerwald ist Teil eines einzigartigen Naturraums von etwa 8000 km² Gesamtfläche, der sich grenzüberschreitend vom Stumpfwald im Norden über hunderte von Kilometern bis zur Burgundischen Pforte im Süden erstreckt. Er ist mit etwa 1800 km² nicht nur das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands sondern bildet zusammen mit den Vogesen eine der größten europäischen Waldflächen. So umfasst z. B. allein das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord etwa 3100 km².

    2. Geologie
    Das Gebirge wird in erster Linie durch die Gesteinseinheiten des Buntsandsteins und in geringerem Maße des Zechsteins mit einer Mächtigkeit von etwa 500 Metern gebildet, deren Sedimente im ausgehenden Perm (vor 256-251 Mio. Jahren) und zu Beginn der Trias (vor 251-243 Mio. Jahren) bei vorwiegend wüstenhaften Bedingungen abgelagert wurden. Diese Gesteinsschichten unterlagen vielfältigen Erosionsprozessen und wurden während der Bildung des Oberrheingrabens durch tektonische Vorgänge in eine neue Lagerung gebracht. Durch Verwitterung und Abtragung der unterschiedlich harten Gesteinsschichten entstand ein äußerst vielfältiges Relief mit vielfältigen Bergformen und einem komplexen Entwässerungssystem. Besonders in seinem Südteil wurden Formationen des Rotliegend und Zechsteins stärker zu Verebnungen und breiten Tälern ausgeräumt, während die widerstandsfähigeren Gesteine des Unteren Buntsandsteins (Trifels- und Rehbergschichten) erhalten blieben. So entstand das vielgliedrige Wasgauer Felsenland mit seinen Kegelbergen und bizarren Felsformationen, das einen besonderen Reichtum an unterschiedlichen Landschaftsformen besitzt .

    3. Topographie/Landschaftsbild
    Aufgrund dieser geomorphologischen Voraussetzungen wird der Pfälzerwald von namhaften Vertretern der wissenschaftlichen Landeskunde (z. B. Michael Geiger 1987; 2010) als „schönste Buntsandsteinlandschaft Deutschlands“ betrachtet. Ausgedehnte, weitgehend unzerschnittene Mischwälder bedecken das Gebirge. Hier finden sich noch urwaldartige Hainsimsen-Buchen- und Eichenwälder, weiter im Süden auch prächtige Mischwälder aus Weißtannen und Buchen von internationaler Bedeutung, die häufig noch autochthonen Charakter besitzen. Das grandiose Landschaftsbild, das beispielsweise Weißenberg (mit Luitpoldturm), Rehberg (mit Aussichtsturm), Stäffelsberg (mit Aussichtsturm) oder die Wegelnburg mit ihren 360° Panoramen bieten, belegen eindrucksvoll diese Feststellung. Bis zum Horizont erstreckt sich ein unendlich scheinendes Wäldermeer, bei dem „Waldwoge hinter Waldwoge steht, bis eine die letzte ist und den Himmel schneidet.“ Dieses bekannte Zitat, das der Heimatdichter Adalbert Stifter auf den Böhmerwald bezogen hat, lässt sich ohne Abstriche auch auf das linksrheinische Gebirge (Pfälzerwald/Vogesen) übertragen. Seine Weite, Unberührtheit und erhabene Ruhe schaffen ein Gegengewicht zur Hektik und Aufgeregtheit unserer Zeit. Sie bewirken im Betrachter Gefühle von Harmonie und Friede, man hat den Eindruck, dass Mensch und Umwelt nun endlich wieder versöhnt scheinen.

    4. Flora und Fauna
    Aufgrund dieser besonderen landschaftsökologischen Bedingungen ist der Pfälzerwald auch ein Refugium für die verschiedensten Tier- und Pflanzenarten. So setzt sich seine Bodenflora hauptsächlich aus bodensäureliebenden Pflanzen wie der Wald-Hainsimse, der weißen Hainsimse, der Pillen-Segge oder Draht-Schmiele zusammen. Typisch sind auch verschiedene Farnarten und ein reichhaltiges Angebot an Pilzen und Beeren. In den zahlreichen Feuchtgebieten wachsen säureliebende Sumpfpflanzen, die in Deutschland nur noch selten vorkommen (z. B. Drachenwurz, Sumpf-Blutauge usw.).
    Auch im Bereich seiner Fauna zeigen sich diese Besonderheiten. Neben den großen Säugetieren, die auch in anderen Mittelgebirgen heimisch sind (z. B. Paarhufer wie Rehe Hirsche usw., ferner Fuchs, Dachs, Iltis usw.) sind auch in ihrem Bestand bedrohte Säugetierarten wie Baummarder, Wildkatze und Luchs im Pfälzerwald heimisch. Dies gilt auch für eine Reihe seltener Vögel wie z. B. Wiedehopf, Eisvogel, Steinschmätzer, ferner auch für den streng geschützten Wanderfalken, der seit einigen Jahrzehnten die Felsen des Wasgaus wieder zur Brut nutzt. Natürlich ist das Biosphärenreservat auch Heimat des Rotmilans und verschiedener Fledermausarten (z. B. dem kleinen Abendsegler), die durch WKA´s besonders bedroht sind (erhöhte Schlagopferzahlen). Charakteristisch für das Schutzgebiet sind ferner eine Vielfalt von Amphibien, Reptilien, Käfern, Schmetterlingen und anderen Insekten, wobei u. a. die Hügelnester der Waldameisen ins Auge springen, von denen es im Pfälzerwald gleich mehrere gibt. Besonders seltene Arten sind z. B. die Kerbameise und die hochgradig gefährdete Große und Gefleckte Ameisenjungfer. Da viele Quellen und Bäche des Gebirges noch ihre natürliche Wasserqualität besitzen, weisen sie einen reichen Fischbestand auf (z. B. Forelle, Steinbeißer, Bachschmerle usw..). Auch seltene Libellenarten wie die Speer-Azurjungfer finden in den Feuchtgebieten des Biosphärenreservates geeignete, unzerstörte Lebensräume.

    5. Geschichtliches und kulturelles Erbe
    Obwohl der Pfälzerwald nur sehr dünn besiedelt ist (20 bis 30 Einwohner pro km²), besitzt er doch ein reiches geschichtliches und kulturelles Erbe. Über 100 Burgen, Burgruinen und Schlösser geben Zeugnis von dieser reichen Vergangenheit. Hervorzuheben sind hier z. B. die Reichsburg Trifels bei Annweiler, die während der Stauferzeit das Machtzentrum des damaligen Reiches bildete oder das Hambacher Schloss, das 1832 Schauplatz des Hambacher Festes war, der ersten Großdemonstration auf deutschem Boden, ein Symbol unserer Demokratiegeschichte. Einen besonderen Verdienst bei der landschaftlichen und kulturellen Erschließung des Waldgebirges haben sich auch verschiedenen Ordensgemeinschaften mit ihren Klosteranlagen erworben. Beispiele sind die ehemaligen Zisterzienserklöster Eußerthal und Otterberg und die Klosterruine Limburg oberhalb von Bad Dürkheim, die von den Benediktinern erbaut und bis in die frühe Neuzeit unterhalten wurde.

    6. Erholung und Freizeitgestaltung
    Diesem einzigartigen Natur- und Kulturraum kommt seit Beginn der Industrialisierung bis heute eine zunehmende Bedeutung als Erholungs- und Freizeitraum zu. Aufgrund seiner herrlichen Landschaft, seiner Ruhe und Einsamkeit, ferner seiner hauptsächlich vom Pfälzerwald-Verein geschaffenen „Wander-Infrastruktur“ (12000 km markierte Wanderwege, Aussichtstürme, Vielzahl bewirtschafteter Wanderhütten usw.) hat sich dieses Naturparadies zu einer der beliebtesten Wander- und Erholungsregionen Deutschlands entwickelt. Wochenendausflügler, Kurzurlauber und Besucher, die einen längeren Urlaub verbringen, sind immer wieder begeistert von der Vielzahl der Möglichkeiten, die ihnen im Rahmen eines sanften Tourismus angeboten werden. Dies zeigen laut Statistischem Jahrbuch 2012 auch die neuesten Daten zur Entwicklung des Tourismus im pfälzischen Raum, in denen sich eine stetige Zunahme des Fremdenverkehrs – für Pfälzerwald und Weinstraße gleichermaßen – widerspiegelt.

    Literatur:
    * Michael Geiger u. a. (Hrsg.): Der Pfälzerwald, Porträt einer Landschaft. Verlag Pfälzische Landeskunde, Landau/Pf. 1987
    * Michael Geiger: Der Pfälzerwald im geographischen Überblick. In: Michael Geiger/Günter Preuß/Karl-Heinz Rothenberger (Hrsg.): Der Pfälzerwald Porträt einer Landschaft. Pfälzische Verlagsanstalt, Landau i. d. Pfalz 1987, S. 9–58.
    * Michael Geiger u. a. (Hrsg.): Geographie der Pfalz. Verlag Pfälzische Landeskunde, Landau/Pf. 2010,
    * Jost Haneke/Michael Weidenfeller: Die geologischen Baueinheiten der Pfalz. In: Michael Geiger u. a. (Hrsg): Geographie der Pfalz. Verlag Pfälzische Landeskunde, Landau/Pf. 2010, S. 74–91,
    * Edmund Mainberger: Der Wald. In: Michael Geiger u. a. (Hrsg.): Der Pfälzerwald, Porträt einer Landschaft. Verlag Pfälzische Landeskunde, Landau/Pf. 1987, S. 101–126.
    * Günter Preuss: Der Pfälzerwald, Lebensraum für Pflanzen und Tiere. In: Michael Geiger u. a. (Hrsg.): Der Pfälzerwald, Porträt einer Landschaft. Verlag Pfälzische Landeskunde, Landau/Pf. 1987, S. 133–164.
    * Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg): Statistische Berichte 2012: Gäste und Übernachtungen im Tourismus 2011. Im Eigenverlag, Bad Ems 2012
    * Wilhelm Weber: Bedeutende Bau- und Kunstdenkmäler im Pfälzerwald. In: Michael Geiger u. a. (Hrsg.): Der Pfälzerwald, Porträt einer Landschaft. Verlag Pfälzische Landeskunde, Landau/Pf. 1987, S. 309–336.
    * Wikipedia, Online-Enzyklopädie: Folgende Artikel wurden verwendet:
    * * Pfälzerwald (abgerufen am 18.03.2013)
    * * Geologie des Pfälzerwaldes (abgerufen am 18.03.2013)
    * * Wasgau (abgerufen am 19.03.2013)
    * *Haardt (abgerufen am 20. 03. 2013)

    Ich hoffe, ich konnte durch meine obigen Ausführungen verdeutlichen, warum der Pfälzerwald ein so wertvolles Natur- und Kulturerbe ist und warum ich der Auffassung bin, dass Windkraftanlagen diesen sensiblen Naturraum nachhaltig beschädigen würden. Er muss auch weiterhin in seiner Gesamtheit, also in Kern- Pflege- und vor allem auch in seinen Entwicklungszonen windkraftfrei bleiben! Erhalten wir auch zukünftigen Generationen diese ursprüngliche Landschaft!

    P.S.: Schade, dass meine Formatierungen von Ihrer Software nicht übernommen wurden.

  8. Sehr geehrter Herr Müsel,

    Als alter Pfälzerwäldler und Landeskundler versuche ich mal eine Antwort auf Ihre Frage: Ein besonderes Charakteristikum des Pfälzerwaldes sind seine ausgedehnten, unzerschnittenen Waldgebiete. Deshalb besitzen die meisten PWV Hütten nur eingeschränkte oder überhaupt keine Aussichtsmöglichkeiten, so dass die WKA´s auf dem Taubensuhl und anderswo wahrscheinlich nicht direkt zu sehen wären. Einige Hütten liegen ziemlich hoch in exponierter Lage und eröffnen dem Wanderer deshalb eine mehr oder minder gute Fernsicht. Ich denke hier z. B. an das Kalmithaus und das Hohe Loog Haus, wobei sich dem Besucher allerdings von beiden nur ein Ausblick nach Osten über die Rheinebene hinweg bietet; die weiter westlich gelegenen Windkraftwerke wären also auch von diesen Häusern nicht wahrzunehmen. Etwas anders gelagert ist der Fall vielleicht bei der am Südhang des Teufelsberges in 510 m ü. NHN gelegenen Trifelsblickhütte, von der man Richtung Südwesten (Trifels) und Westen schauen kann. Von hier könnte man möglicherweise die etwa 10 Kilometer Luftlinie entfernten WKA´s auf dem Taubensuhl sehen, da sie eine Gesamthöhe von 700 bis 800 m ü. NHN erreichen (vgl. unten). Dies wäre aber endgültig erst in einem Praxistest zu klären, der aber, so meine Position, hoffentlich nie eintreten wird.

    Verlässt man dagegen die Pfälzerwaldhütten als alleiniger Bezugspunkt und erweitert die Perspektive, so erhält man zur Sichtbarkeit der WKA´s sehr schnell andere Ergebnisse: Ein wesentliches geomorphologisches Merkmal des Pfälzerwaldes ist sein komplexes Relief mit vielfältigen Bergformen und tiefeingeschnittenen Kerbtälern . Aufgrund dieser orografischen Besonderheiten und seiner dichten Bewaldung entstehen in unteren Luftschichten größere Reibungseffekte, so dass hier die sog. „Windhöffigkeit“ (merkwürdiger Begriff) reduziert ist. Aus diesem Grund müssen entsprechend hohe Anlagen von etwa 200, gegebenenfalls sogar 250 Metern Höhe errichtet werden. Dies entspricht zum Vergleich dem Drei- bis Vierfachen des Speyrer Doms oder der Landauer Marienkirche. Da die WKA´s auf Bergen mit einer Höhe von 500 bis 600 m ü. NHN gebaut werden, erreichen sie eine Gesamthöhe von 700 bis 800 m ü. NHN und überragen damit sämtliche Berge des Pfälzerwaldes (höchster Berg: Kalmit 672,6 m ü. NHN). Sie werden deshalb, wie schon Herr Gerber in seinem sehr instruktiven Beitrag dargelegt hat, nicht nur von hochgelegenen Berggipfeln wie dem Weißenberg, Rehberg oder dem Eschkopf sondern von überall her im Pfälzerwald und angrenzenden Gebieten schon von einem relativ niedrigen Gebirgsniveau (300 bis 400 m ü. NHN) wahrgenommen werden können. Die Fernwirkung dieser Anlagen ist so hoch, dass man sie bei entsprechenden Sichtverhältnissen wahrscheinlich sogar vom Großen Wintersberg bei Bad Niederbronn im Elsass, dem höchsten Berg des gesamten Wasgaus, erkennen wird. Damit ist die nach einhelliger fachwissenschaftlicher Auffassung „schönste Buntsandsteinlandschaft Deutschlands“ in ihrem ästhetischen Wert nachhaltig beschädigt, eine Katastrophe für das einmalige Landschaftsbild.

    Abschließend noch zwei Wandertipps: Fahren Sie mal zum Annweiler Forsthaus, das Ihnen als Annweilerer Bürger sicher bekannt sein dürfte (Lokal leider seit kurzem geschlossen) und machen Sie von dort aus einen Spaziergang zum etwa 2 Kilometer entfernten Kirschfelsen. Von dessen Aussichtsplattform bzw. Sitzkonstruktion haben Sie einen grandiosen Blick nach Osten und Süden bis zum Trifels und Rehberg, zu Ihren Füßen liegt das tief eingeschnittene Wellbachtal mit seinen Randbergen (z. B. Almersberg). Wie wird diese Landschaft aussehen, wenn hier gigantische WKA´s gebaut würden? Ein anderer Tipp: Vom Aussichtsturm auf dem Schindhübel (571,0 m ü. NHN) etwa 3 Kilometer westlich von Iggelbach , haben Sie einen hervorragenden Panoramablick über potenzielle Standorte für WKA´s. Im Südosten sehen Sie besonders gut das Berggelände rund um den Taubensuhl, im Südwesten erheben sich u. a. neben dem Eschkopf der Mosisberg (Langerkopf, 608,7 m ü. NHN), weiter westlich erstreckt sich das Hochplateau um Johanniskreuz, im Norden erkennen Sie den Mollenkopf bei Esthal und jenseits des Lambrechter Tals u. a. den Steinberg, der ebenfalls, so mein Informationsstand, für WKA´s im Gespräch ist.

    Lieber Herr Müsel, ich hoffe, ich konnte mit meinem Beitrag Ihre Frage zur Zufriedenheit beantworten und Ihnen gleichzeitig einige landeskundliche Detailinformationen vermitteln. Zur weiteren Vertiefung empfehle ich Ihnen den „exzellenten“ Wikipedia Artikel über den Pfälzerwald, in dem deutlich wird, warum diese Landschaft ein „Juwel“ ist und zu den schönsten Landschaften Deutschlands, wenn nicht sogar Europas gezählt wird.

    Herzliche Grüße
    Herbert Schreiber

  9. Der am 13.3. gebrachte Artikel von werner u. Birgit Helbig finde ich gut u. sehr sachlich.Ergänzung dazu: Von keiner PWV Hütte ist Taubensuhl usw. einsehbar. Oder irre ich mich? Bitte um Antwort.

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