Erzeugung von Windenergie.
Wie rentabel ist das denn..

Vorbemerkung zu einem Kommentar von Stefan Huwer
Einige Kommentare zu den Artikeln über Windräder im Pfälzerwald sind teilweise mit technischen Fachbegriffen derart durchsetzt, dass der “Normalbürger” sie kaum noch verstehen kann.
Zuletzt ging es um “Referenz-Ertrag”, “Referenzertrags-Berechnung” und “Standort-Klassifizierung”.
Und der “Normalbürger” fragt sich, warum ein wind-energetisch schlechter Ertrags-Standort finanziell stärker gefördert wird als ein wind-energetisch guter Ertrags-Standort.

Dieser Aspekt wird vermutlich auch in der Diskussion am 18.4. in Annweiler, Hohenstaufensaal, angesprochen werden.

Daher nachfolgend eine kurze Notiz zur Erklärung.

Einspeisevergütung für Windräder
Energieerzeugung aus Windkraft wird gesetzlich gefördert durch die sog. “Einspeisevergütung”. Im Jahr 2012 sind in 20 EU-Staaten solche Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien eingeführt. Die EU betrachtet die Einspeisevergütung als die effektivste und effizienteste Förderungsmassnahme für den Ausbau der regenerativen Stromerzeugung. Ein bekanntes Beispiel für ein auf die Einspeisevergütung setzende Regelung ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Deutschland. Dieses Gesetz diente weltweit als Vorbild für den Ausbau der alternativen Stromerzeugung. Es wurde in seiner Grundstruktur bis Anfang 2012 weltweit von mindestens 65 Staaten sowie 27 Bundesstaaten bzw. Provinzen übernommen.

Referenz-Ertrag und Referenzertrags-Regelung
So weit, so gut. Aber wie so oft, so steckt auch hier der Teufel im Detail, also in der gesetzlichen Ausgestaltung dieses Prinzips. In Deutschland hat man dafür u.a. den “Referenz-Ertrag” definiert und eine “Referenzertrags-Regelung” geschaffen.
http://www.buzer.de/gesetz/8423/a156980.htm
Der Referenz-Ertrag (kW-Ertrag =100%) gilt für ein fiktives Modell-Windrad mit 30m Nabenhöhe, bei der ein Wind von 5,5 m/s weht, und das in landwirtschaftlichem Gelände steht mit einigen Häusern und 8 Meter hohen Hecken im Abstand von ca. 500m.
Mit Hilfe des Referenz-Ertrags regelt das Gesetz, wie lange die erhöhte Anfangsvergütung gezahlt wird. In 2013 beträgt diese Anfangsvergütung 8,88 ct/kWh.

Bei einem “Referenz-Windrad”, das an einem “Referenz-Standort” betrieben wird, wird die erhöhte Vergütung rd. 16 Jahre lang gezahlt.
Je besser die Standortqualität für die Windenergie-Erzeugung, desto geringer ist die Dauer der erhöhten Vergütung. Bei bester Standortqualität wird diese nur 5 Jahre lang gezahlt. Und bei schlechter Standortqualität kann bis zu max. 20 Jahre lang die erhöhte Vergütung gezahlt werden.

 Wenig Wind – viel Geld
In Konsequenz werden damit energetisch weniger rentable Windkraftanlagen finanziell stärker gefördert als energetisch-rentable. Der Gesetzgeber wollte damit erreichen, dass auch in windschwächeren Gebieten Windräder errichtet und betriebswirtschaftlich rentabel betrieben werden können und somit Windstrom regional ausgeglichen in das deutsche Versorgungsnetz eingespeist wird.

Es wurde allerdings festgestellt (Deutsche WindGuard, Kurzgutachten), dass mit dieser Einspeisevergütung Windräder an Standorten zwischen 60%-70% die unterste Grenze des betriebswirtschaftlich Sinnvollen darstellen. Dort können sie überhaupt nur bei extrem günstigen Rahmenbedingungen errichtet werden. Erst bei einer Standort-Qualität >80% kann in der Regel ein Windrad wirtschaftlich betrieben werden.

Energetisch unrentabel sind Windräder, wenn sie z.B. an Orten aufgestellt werden, an denen der Wind nicht häufig und/oder nicht stark genug weht. Der deutsche Fachbegriff dafür ist “Windhöffigkeit”.

Dazu der Kommentar von Stefan Huwer:

Die Überförderung der Windkraft durch die sogenannte Referenzertrags-Regelung, wonach unrentable Anlagen (kWh-Ertrag < 83% von möglichen 150% des Referenzertrages) 20 Jahre lang die volle Anfangsvergütung bekommen – statt nur fünf Jahre lang – führt dazu, dass gerade die Anlagen in Schwachwind-Gebieten bezüglich des Euro-Ertrages die Rentabelsten aber bezüglich des Energie-Ertrages die Unrentabelsten sind.

Man kann sich also unter diesen Umständen vorstellen, wie energetisch unrentabel so eine Windkraftanlage dann ist, wenn sie sich betriebswirtschaftlich geradeso noch rentiert. Unter diesem Gesichtspunkt sind die viel zitierten 6m/s an Windgeschwindigkeit zu überdenken.

Würde die gleiche Windkraftanlage mit einem kleineren Generator ausgestattet, dann würde sie weniger kosten und höhere Erträge bezogen auf die installierte Leistung bringen.

Das hätte zur Folge, dass die hohe Anfangsvergütung nur die ersten fünf Jahre lang gezahlt werden müsste und nicht die vollen 20 Jahre lang. Die letzten 15 Jahre müsste der Stromverbrauch nur mit knapp 5ct/kWh vergütet werden - und nicht mit ca 9 ct/kWh.

Man beachte: Die erzeugte Energiemenge am Standort wäre gleich. Die Kosten für den Stromverbraucher und den Investor/Betreiber wären geringer und (leider oder dankenswerterweise) damit auch die Verdienstmöglichkeiten für den Projektentwickler schlechter.
Volkswirtschaftlich – also aus Sicht des Volkes (der Wähler) – wäre das sehr sinnvoll. Das gesparte Geld könnte nahezu ohne Mehrkosten für die benötigten Gaskraftwerke investiert werden und führte beim Stromverbraucher nicht zur Mehrbelastung. Die Versorgungssicherheit würde verbessert, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehende Abschaltung der noch am Netz befindlichen AKW.
Stefan Huwer

8 Gedanken zu “Erzeugung von Windenergie.
Wie rentabel ist das denn..

  1. Wenn das EEG weltweit ein solcher Exportschlager ist, warum bauen dann die meisten (aufstrebenden) Nationen mengenweise AKWs? Sind die alle blöder und gleichgültiger als wir Deutsche? Da kann doch was nicht stimmen. Es kann nur Politikern einfallen, geringe Leistung besonders stark und lange zu fördern. Das kommt vermutlich daher, dass ja auch die Erhöhung der Diäten im umgekehrten Verhältnis zur Leistung steht. Wer nur mit ein wenig Vernunft, einem Quäntchen Physikverständnis und der Kunst des Dreisatzes ausgestattet ist, wird schnell begreifen, dass Wind und Photovoltaik niemals den Bedarf an Energie am Industriestandort Deutschland decken können. Erst wenn eine passende Speichertechnologie entwickelt würde, wäre dies möglich. Aber am Deutschen Wesen wird nicht nur die Welt genesen, sondern wir als Lemminge rennen blindlings dem demographischen, kulturellen und industriellen Niedergang entgegen.

  2. Danke für den Beitrag. Ich denke der Standort ist für die Rentabilät der Entscheidende Punkt. Leider ist es oft aber für die Natur auch eine Belastung.

  3. Welchen Leserbrief meinen Sie?
    Ernst Geber ist Diskutant am runden Tisch am 18.4….
    Ausserdem hat er seine Fakten im Artikel veröffentlicht…
    hi

  4. Ach ,ja , warum gibt es keinen Link zu Facebook die Jungen lesen DORT! Nicht hier und es geht doch um deren Zukunf,

  5. Würde empfehlen den Leserbrief von Herrn Ernst Gerber Annweiler unbedingt als Diskussions Grundlage hier mit hinzuzustellen,da der Leserbrief klare und für jeden verständliche Zahlen und Fakten enthält. Oder sind diese Fakten zu heiss?

  6. Zum Thema Einspeisevergütung- Wirtschaftlichkeit:

    dieser Aspekt wurde bisher zu wenig berücksichtigt!
    Ein Investor wird wahrscheinlich die für ihn wirtschaftlichste WKA bauen. Dabei wird nicht immer die konstanteste Lösung umgesetzt. Das Problem von Wind- und Sonnenenergie sind deren Fluktuationen. Im Idealfall ergänzen sie sich gegenseitig bzw. korrelieren mit dem Lastprofil. Als Steuerinstrument wurde u.a. Stetigkeitsbonus und Eigenverbrauch eingeführt.
    Meines Erachtens reichen die bisherigen Instrumente bei weitem nicht aus. Insbesondere im Hinblick auf erforderliche Reservekapazitäten.
    Mein Vorschlag: fluktuierende Energien sollten mit Reservekapazitäten korrespondieren. So lange diese getrennt bewirtschaftet werden sind Systemkonflikte vorprogrammiert.

    Zum Thema Stromüberschuss:

    diese 22 TWh sind gerade etwas mehr als 3% vom gesamten bundesweiten Stromverbrauch. Hier die Schlußfolgerung zu ziehen auf WKA im Pfälzer Wald zu verzichten kann ich nicht nachvollziehen. Zunächst muß die Frage beantwortet werden, brauchen wir dann überhaupt noch einen weiteren Ausbau. Zur Info: geplant ist, dass alle AKW schrittweise vom Netz genommen werden.
    Weiter war auch in der Zeitung zu lesen, dass von Kohlekraftwerken Feinstäube emittiert werden die gesundheitliche Schäden verursachen. Im Übrigen wurde die Energiewende deswegen beschlossen um auf Atom- und fossile Energieträger ganz zu verzichten.
    Alleine flexible Gaskraftwerke um Fluktuationen auszugleichen sind dafür erforderlich, und von denen so wenig wie möglich. Gaskraftwerke haben zwar eine bessere CO2 Bilanz als Kohlekraftwerke, aber eben nicht ganz ohne CO2.
    Darüberhinaus ist auch Erdgas eine endliche Ressource. Natürlich kann mit Fracking die Reichweite deutlich erweitert werden. Ob diese Lösung hilfreich ist sollte überdacht werden.
    Eine gute Alternative wäre aber synthetisches Methan, hergestellt aus überschüssiger Wind- und Sonnenenergie. Deren Mengen zukünftig deutlich zunehmen werden, so fern die Energiewende nicht vorher abgewürgt wird.

    Bei den bisherigen Diskussionen vermisse ich Aussagen über das Vermeiden von CO2 Emissionen. Global gesehen muss in dieser Dekade die Trendwende geschaft werden. Gelingt das nicht, werden ab ca. 2040 auch im Pfälzer Wald graviernde Auswirkungen eintreten. Natürlich können diese jetzt nicht konkret beschrieben werden, zumal noch die Handlungsoption auf beherschbare Auswirkungen besteht. Auch im Pfälzer Wald!

  7. Handelsblatt vom 2.4.2013
    Deutscher Strom ist ein Exportschlager !
    Die Stromproduktion erzielte im Jahr 2012 trotz Abschaltung von 9 Atomkraftwerken ein Überschuss von 22,8 TWh !!!!!!
    Eine Diskussion über weitere Installationen von Windkrafträdern (auch im Pfälzer Wald) ist wohl demnach nicht mehr notwendig und hinfällig. Es gilt den hier und für uns produzierten Strom noch richtig zu verteilen, d.h. das Netz und Verteiltechnik etc. auszubauen und es gilt, dass der überschüssig-produzierte Strom zu einer Preisreduzierung für Verbraucher führt und zwar ganz ganz schnell. Alles andere ist Abzocke und Betrug am Volk. Deshalb – STOP den Subventionen für alternative Stromerzeugung, denn es gibt schon viel zuviel !

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