Alles Bio, oder was…

Ein Gang in einen x-beliebigen Supermarkt:
Bio-Bananen aus Nicaragua, Bio-Kiwi aus Israel, Bio-Orangen aus Spanien, Bio-Kaffee aus Honduraras, Bio-Lachs aus Norwegen, Bio-Wein aus Siebeldingen… Bio-…Bio- …
Ist das vielleicht schon der Beginn einer “Ernährungswende”, von der die Umweltministerin Ulrike Höfken in Rheinland-Pfalz spricht?Ernährung
Eines ist jedenfalls klar: Die in den letzten Jahren beinahe sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Bio-Produkten kommt inzwischen aus allen Schichten der Bevölkerung.
Das Bewusstsein um die Notwendigkeit einer gesunden Ernährung ist allgemein gewachsen.

Aber ist denn Bio auch drin, wo Bio drauf steht?

Da können einem schon berechtigte Zweifel kommen.
Jedenfalls dann, wenn auf die Ware einfach nur ein (leicht entfernbarer) Aufkleber “Bio” aufgeklebt ist. Woher weiss der geneigte Käufer dann, dass dahinter tatsächlich kontrollierte nachhaltige Produktion steht?

Bei zertifizierten Produkten von Bioland (trademark) oder Demeter (trademark) ist das vermutlich eine sichere Sache. Aber wer kontrolliert Bioland bzw. Demeter?

Wenigstens auf dem Papier ist alles transparent und eindeutig, sollte man meinen:
Als Bio-Lebensmittel werden Lebensmittel aus der ökologischen Landwirtschaft bezeichnet. Der Begriff ist in der EU gesetzlich definiert. Diese Produkte müssen aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen, dürfen nicht gentechnisch verändert sein und werden ohne Einsatz konventioneller Pestizide, Kunstdünger oder Abwasserschlamm angebaut. Tierische Produkte stammen von Tieren, die artgerecht gemäß EG-Öko-Verordnung[1] und in der Regel weniger (!) mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt wurden. Die Produkte sind nicht ionisierend bestrahlt und enthalten weniger (!) Lebensmittelzusatzstoffe als konventionelle Lebensmittel, dürfen aber bis zu 30% nicht ökologisch erzeugte Zutaten enthalten. Aha…

Und um die Verwirrung komplett zu machen:
Die amerikanische Ernährungswissenschaftlerin Virginia Worthington kam in einem Review von 41 veröffentlichten wissenschaftlichen Studien, die den Nährwert ökologisch und konventionell angebauten Gemüses, Obstes und Getreides verglichen, zu dem Schluss, dass ökologische Lebensmittel signifikant mehr Nährstoffe verschiedener Gruppen enthalten. Durchschnittlich enthielt Bio-Rohware 27 % mehr Vitamin C, 21,1 % mehr Eisen, 29,3 % mehr Magnesium und 13,6 % mehr Phosphor. Zusätzlich enthielten die Bioprodukte 15,1 % weniger Nitrate als die konventionelle Vergleichgruppe. Ein Einfluss auf die Gesundheit wurde dadurch nicht nachgewiesen.

Weitere Studien verweisen jedoch auch auf den höheren Gehalt gesundheitsschädlicher Pflanzenstoffe in ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln. Andere Studien konnten keine bedeutenden Unterschiede im Nährstoffgehalt zwischen konventionell und ökologisch erzeugten Lebensmitteln finden.[5]

Ein Review der University of London zu allen wissenschaftlichen Studien aus den letzten 50 Jahren kam zu dem Schluss, dass es zwischen ökologisch und konventionell produzierten Nahrungsmitteln keine bedeutenden gesundheitsrelevanten Unterschiede im Nährstoffgehalt gibt.[9] Ein im September 2012 veröffentlichtes Review von Wissenschaftlern der Stanford University kam zu dem Schluss, dass die Forschung bisher keine Beweise für einen signifikant höheren Nährstoffgehalt ökologisch produzierter Lebensmittel liefern konnte.

In einer im Jahre 2006 veröffentlichten Vergleichsstudie der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel wurden die Metabolitenprofile von konventionell und ökologisch erzeugtem Weizen untersucht. In beiden Proben wurden die relativen Mengen von 52 Metaboliten (darunter Aminosäuren, organische Säuren, Zucker-Alkohole, Zucker-Phosphate und Nukleotide) bestimmt. Das Ergebnis zeigte bei 44 der untersuchten Metaboliten keine signifikanten Unterschiede zwischen Weizen aus konventioneller und aus ökologischer Erzeugung. Die Autoren schlossen daraus, dass die Anbaumethode keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auf das Metabolitenprofil von Weizen hatte.

Alles Bio, oder was…?

Sagen Sie uns Ihre Meinung zu diesem Thema.

Green RoundTable wird in 2013 hierzu eine öffentliche Diskussion am runden Tisch veranstalten. Auch Ihre Argumente und Ansichten zum Thema Bio können hier aufgegriffen werden.

Sie können auch am rundenTisch mitdiskutieren, indem Sie sich hier anmelden.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>